Gesucht wird Ein dringender Tatverdacht, 21.45 Uhr, ARD. Am 9. Januar 1995 wird in München die 18jährige Gymnasiastin Stephanie Karl ermordet aufgefunden. Arbeiter der Müllverbrennungsanlage Nord finden die Leiche am Montag um 12.45 Uhr in einem Container. Die einzige Tochter eines Kaufmanns-Ehepaares ist bekleidet mit Jeans, beigefarbener Jacke, hatte Ausweis und Schlüsselbund bei sich. Wenige Tage später verhaftet die Kripo den 35jährigen Mario Abend. Er gesteht die Tat, die Polizei feiert die Festnahme als großen Fahndungserfolg. Doch die Wahrheit sieht anders aus.Die Frankfurter Fernseh-Autorin Erika Kimmel und Bernd Isecke rekonstruieren die Wochen vor dem Mord und decken auf, daß der Täter bei Polizei und Staatsanwaltschaft kein Unbekannter ist. Mario Abend wächst in Heimen auf, verbüßt in den 70er Jahren eine dreijährige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung und Körperverletzung. Mehrfach von betroffenen Frauen angezeigt, wird der junge Mann immer wieder auf freien Fuß gesetzt. Begründung: Laut Paragraph 170 besteht kein hinreichender Tatverdacht. Und: "Das Opfer hat sich in Widersprüche verwickelt."Die letzte Anzeige wegen Vergewaltigung kommt genau zwei Wochen vor dem Mord an Stephanie Karl. Das Opfer, eine 46jährige Frau, gibt zu Protokoll: "Ich muß ihn einfach anzeigen, denn ich weiß, dieser Mann wird einen Mord begehen. Er ist wie ein Tier." Aber auch diesmal geschieht nichts. Die Verantwortlichen der Münchner Justiz geben sich weiterhin so ahnungslos wie unbelehrbar. Ein Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Mörder hätte Stephanie Karls Leben retten können.Zu Wort kommen die Eltern des ermordeten Mädchens, Frauen, die Mario A. angezeigt haben, Polizeivertreter und die Staatsanwaltschaft. Bernd Isecke: "Im Zuge unserer Ermittlungen hat sich bei mir der Eindruck verstärkt, daß Frauen in Ländern wie Bayern noch immer weniger gelten als Männer." +++