PRENZLAUER BERG. 13 Jahre lang stand das markante Eckgebäude an der Torstraße/Ecke Prenzlauer Allee leer und verfiel. Jetzt soll alles ganz schnell gehen: "Wir beginnen gerade mit den Umbauarbeiten", sagt Gunter P. J. Bürk vom Architekturbüro JSK.In nur 18 Monaten will der neue Eigentümer, das deutsch-britische Unternehmen Cresco Capital, das denkmalgeschützte Haus zu einem exklusiven Klub umbauen. Im "Soho House Berlin" sollen Künstler, Journalisten, Filmemacher und Manager der Medienbranche wohnen und arbeiten, wenn sie sich in Berlin aufhalten. Für sie gibt es viele Annehmlichkeiten; bis zur dritten Etage können diese auch von Klubfremden genutzt werden.Im Keller entstehen Räume für Fitness, Sauna, türkische Bäder und Spa sowie ein Kinosaal mit 60 Plätzen. In den darüberliegenden Etagen wird es Restaurants und Läden geben, auch Großraumbüros sowie Arbeits- und Konferenzräume. Im 3. und 4. Stock ist ein Hotel (Boarding House) geplant mit Appartements zwischen 60 und 200 Quadratmetern in Vier-Sterne-Qualität. In die Stockwerke 5 und 6 kommen Nobelzimmer exklusiv für Mitglieder des Soho House Berlin. Die frühere Kantine wird Restaurant, und auf der Dachterrasse entsteht zwischen Lounge und Clubräumen ein Schwimmbad, von dem aus man einen weiten Blick über die Stadt hat.Zum ersten Mal in Deutschland wird das exklusive Soho-Klub-Konzept umgesetzt. Es gibt solche Klubs schon im Londoner Stadtteil Soho, und im New Yorker Viertel Manhattan, in Los Angeles und in Hongkong. In London kostet der Jahresbeitrag umgerechnet 900 Euro. Weitere Soho-Häuser entstehen derzeit auch in Hollywood, in Miami und in Chicago.Rund 30 Millionen Euro investieren die Eigentümer in ihr Berliner Projekt. Für etwa neun Millionen Euro hatte Cresco Capital das denkmalgeschützte Gebäude gekauft.Dessen Fassade wird in wenigen Monaten wieder im beigefarbenen Originalton gestrichen. Im Innern soll ein Arbeitszimmer im DDR-Einrichtungsstil erhalten bleiben: mit holzgetäfelten Wänden und Parkettfußboden. Auch das Eingangsportal mit der imposanten Treppe wird an Zeiten erinnern, als in dem Haus DDR-Präsident Wilhelm Pieck und Ministerpräsident Otto Grotewohl arbeiteten.------------------------------Wechselvolle GeschichteAls Kreditkaufhaus eröffneten die jüdischen Geschäftsmänner Hermann Golluber und Hugo Haller 1929 das Gebäude im Bauhausstil. Dort konnten die Kunden alle Waren per Ratenzahlung kaufen, es gab auch eine einwöchige Umtauschfrist.Die Nationalsozialisten zwangen Golluber 1939 im Zuge der "Arisierung" zur Emigration. Golluber und seine Frau flohen in die USA. Die neuen deutschen Eigentümer verkauften das Haus an die NSDAP. Die Nazis nutzten das Gebäude ab 1942 für die "Reichsjugendführung". Etwa neun Millionen Mitglieder der Hitlerjugend wurden von dort aus betreut.Nach Kriegsende wurde das Haus verstaatlicht und nach der Vereinigung von SPD und KPD 1946 zum Sitz der SED-Parteiführung. Fortan hieß es "Haus der Einheit". Der erste DDR-Präsident Wilhelm Pieck hatte dort seinen Sitz, ebenso Ministerpräsident Otto Grotewohl. Zwei Gedenktafeln am Eingangsbereich des Hauses erinnern an die Politiker. Am 17. Juni 1953 zogen protestierende Arbeiter vor das Gebäude.Von 1959 bis 1989 nutzte das Institut für Marxismus-Leninismus (IML) das Gebäude. Piecks Arbeitszimmer wurde als Gedenk- zimmer erhalten. Ab April 1992 war das Haus Sitz des Verbundes Archiv, Bibliothek und Werkstätten beim Parteivorstand der PDS. 1992 ging das Zentrale Parteiarchiv ins Bundesarchiv ein und wurde 1995 nach Lichterfelde verlegt. Seitdem steht das Gebäude leer.------------------------------Foto: Hier gab es Waren auf Ratenzahlung: das Kreditwarenhaus Jonass & Co AG im Jahre 1929.------------------------------Foto: Exklusiv bis zum Dach: Auf der Terrasse des Soho House Berlin wird ein Schwimmbecken entstehen.