Berlin/Uckermark - Die erste richtige Hitzewelle der Saison haben wir hinter uns, mit Temperaturen bis über 35 Grad. Und auch wenn Gewitter hier und dort kurzzeitig Abkühlung und Regen gebracht haben, braut sich über Nordafrika und Südeuropa eine historische Hitzewelle auf – bis zu 50 Grad sind dort an manchen Orten zu erwarten. Und ein Teil dieser Hitze könnte bis nach Berlin und Brandenburg kommen, wenn auch in abgeschwächter Form.

Wenn es bei uns Ende Juni, zur Zeit der längsten Tage und des höchsten Sonnenstandes, so heiß wird, dann ist es für die Pflanzen (wie für uns) gleich doppelt schlimm. Die Nacht, und somit die Zeit der Abkühlung, ist schließlich kürzer. Zudem hat sie Sonne in dieser Zeit mehr Stärke, sodass zur Lufttemperatur die zusätzliche Intensität der Sonneneinstrahlung hinzukommt. Zu den sogenannten Hundstagen zwischen dem 23. Juli und dem 23. August sieht das schon wieder anders aus: Richtig heiß kann es auch dann werden, aber immerhin sind die Tage schon wieder kürzer.

Bei so steilwinkeliger Sonneneinstrahlung trocknet der Boden schneller aus, weil die Sonne durch den verminderten Schattenwurf der Pflanzen mit ihren Strahlen länger bis auf den Boden kommt. Das heißt: Wir müssen wässern. Und auch wenn ich davon kein Freund bin (ich mag zwar die Tätigkeit, sie ist so kontemplativ, aber ich weiß, dass wässern oftmals kontraproduktiv ist), so muss es nun gemacht werden. Was aber nicht bedeutet, dass man wässern kann und sollte, wie es einem einfällt. Denn so, wie viele Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer ihre Flächen mit Feuchtigkeit versorgen, bringt es nichts. Es ist mitunter sogar schädlich und macht nur noch mehr Arbeit.

Die mittelfristige Speicherfähigkeit von Böden verhält sich pro Quadratmeter für eine Bodenschicht von zehn Zentimetern nämlich ungefähr so: Tonboden – 48 Liter; Lehmboden – 40 Liter; Sandboden – gerade mal zehn Liter. Also kommt es auf den Boden an, bei sandigem Boden etwa muss man ungefähr fünfmal so oft gießen wie bei einem schweren Tonboden. Dementsprechend wässert man einen sandigen Boden dann doch lieber etwas häufiger und dafür nicht so lange.

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Für die anderen Bodenarten allerdings gilt eine ganz andere goldene Regel: Klotzen, nicht kleckern. In Gärtnersprache übersetzt bedeutet das: selten, aber dafür durchdringend wässern. Das gilt zwar nicht immer und überall – aber wer normalen Boden mit Humusanteil hat oder sogar einen schweren lehm- oder (wie ich) tonhaltigen Boden, der ist mit dieser Regel gut beraten. „Durchdringend“ heißt hier, eher in Stunden als in Minuten zu denken. Wenn ich meinen Garten wässere (was nicht so oft vorkommt), dann kann das schon mal einen ganzen Tag dauern. Oder auch zwei. Darauf folgt dann aber eine Pause von mehreren Wochen – oder, bei Extremhitze, zumindest eine Pause von einer oder zwei Wochen.

Was die Schläuche betrifft, so bin ich extra von Plastik auf Gummi umgestiegen. Die Vorstellung, bei jedem Gießen Mikroplastik in meinem Garten zu verteilen, war mir zu gruselig. Mal abgesehen davon halten Gummischläuche meiner Erfahrung nach auch Frost und Hitze besser aus. Zu empfehlen ist etwa der 20 Meter lange Gummischlauch mit dem schönen Namen „Goldschlange“, den es bei www.manufactum.de für 299 Euro gibt (Artikelnummer 88392).

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Hübsch ein bisschen Wasser aus der Kanne schubsen, wie auf der Zeichnung aus 1896, reicht bei der aktuelle Hitze nicht aus.

Wenn es sich vermeiden lässt, benutze ich keinen Sprengkopf, sondern lege den Schlauch einfach auf den Boden und lasse die Erde sich mit Wasser vollziehen. So richtig funktioniert das aber nur, wenn man kleine Kanäle angelegt hat – sonst nämlich wird die Erde weggeschwemmt, zumindest bei optimalem Wasserdruck. Die kleinen Rinnen lassen sich ganz einfach mit dem Spaten in den Boden einziehen.

Es gibt aber auch verschiedene Aufsätze, die ich nutze. Am liebsten verwende ich den Regnerfuß und die Sprühaufsätze von Boutté. Das ist eine französische Firma, die viele Produkte aus Messing anbietet – auch hier möchte ich auf Plastik lieber verzichten. Den Regnerfuß gibt es für 37 Euro, zum Beispiel über die Website biogartenversand.de (Artikelnummer 58316).

Ist der Boden durchdringend gewässert, also 30 bis 40 Zentimeter in die Tiefe hinein (im Idealfall sogar noch tiefer), können die Wurzeln länger Feuchtigkeit aufnehmen. Während der Boden langsam von oben trocknet, wird so auch der Wuchs kleinerer Unkräuter unterdrückt, die in den ersten Tagen oder Wochen, nachdem ihre Saat aufgegangen ist, noch keine tiefreichenden Wurzeln gebildet haben, mit denen sie sich versorgen könnten.

Dementsprechend ist es absolut falsch, im Garten dreimal die Woche oder sogar jeden Abend kurz zu wässern. Das hat eher zur Folge, dass das Unkraut wuchert, während die Stauden in den tieferen Bodenschichten überhaupt keine Feuchtigkeit mehr finden. Sie bilden erst beim Abtrocknen des Bodens immer längere Wurzeln aus, um in tieferen Schichten an Wasser zu kommen – mit meiner durchdringenden Art zu wässern, „erzieht“ man sie also gewissermaßen dazu. Und das ist essenziell für alle Pflanzen, um längere Trockenzeiten zu überstehen.

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Bei der korrekten Wässerung kommt es auch darauf an, ob es sich um einen sandigen, lehm- oder tonartigen Boden handelt.

Übrigens habe ich gerade eine Bepflanzung im öffentlichen Raum vorgenommen. Die wird nun regelmäßig von Anwohnerinnen und Anwohnern begutachtet, die langsam nervös werden. Hilfsbereit, wie sie zu meiner Freude sind, erreichen mich regelmäßig Fragen, ob sie nicht einspringen und ihren Schlauch mal rüber legen sollen. Solange aber keine Gefahr besteht, dass die Pflanzen Schaden nehmen (und das sieht man meistens früh genug an den Blättern), lehne ich dankend ab. In besagter Bepflanzung hat sich bisher kaum Unkraut bemerkbar gemacht und die Pflanzen werden spätere Trockenzeiten gut überstehen.

Allerdings gibt es hinsichtlich der Bewässerung auch Ausnahmen: Wenn es wirklich sehr, sehr heiß ist, sind Pflanzen am Abend für eine kurze Dusche dankbar. Dabei werden die Blätter ein bisschen abgekühlt, eine gewisse Luftfeuchtigkeit wird hergestellt und die Pflanzen nehmen etwas Flüssigkeit auf. Auch wer einen sehr sandigen Boden hat (wie hier in Brandenburg ja üblich), wird mit dem Konzept des durchdringenden Wässerns nicht immer weit kommen. Der Sand kann das Wasser nicht halten, weswegen es ohnehin sehr schnell versickert.

Grundsätzlich beliebt sind Bewässerungsanlagen. Und manchmal kommt man um sie tatsächlich nicht herum: Wenn man oft auf längere Reisen geht, zum Beispiel. Oder wenn es um einen Garten geht, den man nicht so häufig pflegen kann, weil man das zugehörige Haus vermietet hat. In solchen Fällen lohnt sich eine Bewässerungsanlage auf jeden Fall, zumal sich Einbau und Wartung recht günstig gestalten. Hauptsache, die Anlage ist dann auch richtig eingestellt: Jeden Morgen eine halbe Stunde bringt meiner Erfahrung nach die gleichen Probleme wie das allabendliche Schnellgießen mit dem Schlauch –verkümmerte Wurzeln können die Folge sein.

Genau deshalb sterben Staudenbepflanzungen, die ausschließlich mit einem Bewässerungssystem versorgt werden, teilweise ganz plötzlich aus. Und das kann ja nun wirklich niemand wollen. Die Anlage macht sich also vor allem als absichernde Zugabe zur eigentlichen Bewässerung gut. Denn in besonders heißen und besonders trockenen Zeiten freuen sich die Pflanzen über jeden Tropfen – ganz egal, wo er herkommt.


Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.