Berlin - Verständnislos waren sie alle, von der Gynäkologin über die Hausärztin bis zu meiner Tante, einer Medizinerin im Ruhestand – warum in aller Welt ausgerechnet eine Schwangere gegen Covid-19 impfen lassen? Meine Frau erwartet ein Kind, und wir hatten genau das vor. Doch sogar Menschen, die sich eigentlich auskennen sollten, lehnten ab – ganz zu schweigen von den Vätern und Müttern auf dem Spielplatz, die entsetzt schauten, als wir von unserem Impfvorhaben berichteten. Das Unverständnis war so groß, dass wir uns nicht mehr trauten, darüber mit anderen zu sprechen.

Die Impfung wird sowohl vom Umfeld als auch von vielen Schwangeren als Gefahr für das Ungeborene gesehen. Dabei sollte mittlerweile jedem klar geworden sein: Das Virus wird bleiben, alle, die nicht geimpft sind, oder sich nicht  komplett abschotten können (und das können Schwangere quasi nie),  werden früher oder später infiziert werden – und von den Schwangeren ist bislang noch kaum eine immunisiert. Denn lange waren sie von der Impfkampagne ausgeschlossen, dann durften nur solche mit Vorerkrankungen immunisiert werden, schließlich zusätzlich jene, die exponiert waren – und erst seit drei Wochen können sich laut Stiko Schwangere, die „einem erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände“ ausgesetzt sind, impfen lassen (jeweils ab dem zweitern Trimester). Im Moment stehen also noch fast alle Schwangeren in Deutschland ohne Impfschutz da. Erst gab es keine Möglichkeit, und jetzt sind die Frauen, die ein Kind erwarten, skeptisch.

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