Berlin - Im Duo gibt es auch im letzten Corona-Winter für unverfrorene herrliches italienisches Eis. Das Lieblingspizzastück von Journalisten in Rente in Charlottenburg. Hippe Bowls und Salate bei Klub Kitchen in Mitte und die frittierten Hähnchen von der Henne in Kreuzberg.

Foto: zVg
In der Eisdiele Duo gibt es auch andere Köstlichkeiten.

Duo Sicilian Icecream in Kreuzberg

Manchmal bin ich wirklich nicht zu beneiden. „Wie, du musst jetzt noch Eis essen gehen?“, fragt meine Verabredung nach drei Stunden in der Kreuzberger Kälte. Normalerweise gehöre ich zu den Menschen, die nicht verstehen können, warum Gelato ein Saisongeschäft sein soll. Im Dezember dann halt Spekulatius! Heute jedoch stoße auch ich an meine Grenzen.

Am Morgen hat es geschneit. Kurz wie ein Eislöffel ist die Schlange vor Duo in der Skalitzer Straße, im Gegensatz zu jener beim Neuköllner Eisderix nur wenige Tage zuvor (solides Mohn-Marzipan-Eis, aber an Waffel und Sahne müssen sie echt arbeiten). Das Sortiment ist – vermeintlich? – kleiner als vergangenen Sommer und die Sahnemaschine „kaputt“. Man könnte jetzt natürlich ausweichen auf das bemerkenswerte Alternativprogramm, Croissants, Pistazien-Granita oder mit Pistaziencreme gefüllte Cannoli beispielsweise oder die aus Ricotta und Biskuit bestehende Cassata, aber ich bin ja hier, um zu überprüfen, ob das Eis noch so spektakulär ist wie in meiner Erinnerung.

Hergestellt wird es aus Brandenburger Biomilch und -sahne, ohne Zusatzstoffe. Antonio Tomasellos Vater kam 1972 aus dem sizilianischen Bronte nach Deutschland, um, si claro, eine Eisdiele zu betreiben. Von dort stammen die hochwertigsten Pistazien der Welt, dementsprechend dreht sich im Betrieb seines Sohnes alles um die grüne Nuss. Es gibt die Eissorten Pistazie pur, Mandel mit Pistazie und Haselnuss-Pistazie-Mandel, außerdem Pistaziencreme, -milch und -kuchen. Der Klassiker in Kugelform ist pastellfarben wie eine verblichene Postkarte, im Geschmack intensiv nussig und zurückhaltend süß, die Textur so dicht, dass man beinahe was zu kauen hat: großes Eiskino. Meine zweite Kugel Brontesino (Mascarpone, Pistazie, Mandel) entpuppt sich ebenfalls als sehr pistazienlastig, von undefinierbaren Stücken durchzogen (weicher Waffelteig?) und ähnlich tollem Mundgefühl.

Die Waffel ist nicht ganz so buttergeil wie die vom wenige Schritte entfernten Aldemir, aber dafür knackig-frisch. Als Trost für die fehlende Sahne habe ich Pistaziensauce bekommen. Noch bevor ich mich aus dem Verzehren-verboten-Radius hinausbewegt habe, ist sie temperaturbedingt fest geworden, ein bisschen wie Milchschokolade.

War es in Berlin je so warm, dass sie bis zum Abknabbern der Waffel flüssig blieb? Gab es mal eine Zeit, in der Eisdielen Probierportionen gewährten und man goldene Reifen am Handgelenk trug statt FFP2-Masken? Mit schweren Gedanken verzehre ich mein in der Summe doch sehr pistazienlastiges Eis halblegal auf einer nahen Bank kauernd, mit Blick auf die auch niemals fertig werdende U1 und dem unsäglichen Berliner April-Wind im Gesicht. Es kommen bessere Zeiten, ganz bestimmt. Fest steht: Das Eis von Duo gehört noch immer zu den besten der Stadt.

Duo – Sicilian Ice Cream, Skalitzer Straße 82, 10997 Berlin, Montag bis Sonntag 10 bis 20 Uhr

Bewertung: 5 von 5 Punkten.

Illustration: Stephanie F. Scholz
Der Inhaber von Ali Baba lieferte leider kein Foto.

Ali Baba in Charlottenburg

Das Berlin-Charlottenburg um die Mommsen- und Bleibtreustraße spiegelt im Jahr 2021 ja den schon längst verblichenen Glanz (gab es den nach 1945 mal?) West-Berlins wider. Hier wohnt die schon etwas in die Jahre gekommene männliche Hautevolee der Medienszene. Die, die für Stern, Spiegel und Quick für ein paar Zeilen stets in der 1. Klasse um die Welt flogen: Nikolaus Brender, Claus Kleber, Gabor Steingart und der inzwischen 53-jährige Jakob Augstein. Letzteren sieht man oft mit teuren Pferdelederschuhen und sehr viel jüngeren Frauen auf der Bleibtreustraße auf- und abgehen. Im Fernsehen ist bei Augstein immer dress-down angesagt, hier dagegen trägt er gerne Seidenschal. Und alle (außer Franz-Josef Wagner, der geht gerne zum Wein-Eck Klemke oder in die Paris Bar) haben eins gemeinsam. Ihr Wohnzimmer und ihre Kantine ist die Schnell-Pizzeria Ali Baba in der Bleibtreustraße 45.

Für die Illustration dieser Ausgabe haben wir den Inhaber um ein Foto gebeten, nur leider hat er keins geschickt und wollte auch sonst keine Rezension zulassen. Den Gefallen haben wir ihm aber dann erst recht getan. Und hier kommt sie: Ali-Baba-Rezension. Ali Baba ist ein freundliches und Italien spielendes Lokal mit großer Terrasse. Hier isst man gerne überbackene Nudelgerichte in kleinen Auflaufförmchen, deren Geschmack durch ganz viel Sahne und Gouda (das schmeckt und riecht nach alter BRD) zum Klingen gebracht wird. Das Ganze spült man dann auf der langen kleinen Holzbank vor dem Tresen mit einem Warsteiner herunter.

Und während Corona? Da ändert sich bei Ali Baba eigentlich fast gar nichts. Denn der erfahrene Esser bestellt hier sowieso kein Nudelgericht, sondern griff schon vor Corona zum Take-away-Angebot. Der Topseller und der Kult sind hier die kleinen viereckigen Pizzakarrees vom großen Blech für sehr vertretbare 1,80 Euro das Stück. Belegt sind sie mit einfachster Salami, Pilzen und wieder Gouda. Extra: Nach dem Backen legt der Pizzabäcker gerne noch ein paar kalte Pfefferoni oben drauf. Fertig ist das Mittagessen. Und die Bewertung? Eigentlich genügt das Restaurant heute nicht mehr dem mittleren Standard in einer Weltmetropole und wir müssten zwei von fünf Punkten geben. Aber Charlottenburg ist eben nicht Standard. Und ganz ehrlich: Die Pizza schmeckt wirklich gut. Preis-Leistung? Top. Also: volle Punktzahl!

Ali Baba, Bleibtreustraße 45, 10623 Berlin, täglich 12 bis 24 Uhr.

Bewertung: 5 von 5 Punkten.

Foto: zVg
Hipster gehen zu Klub Kitchen.

Klub Kitchen in Mitte

Wo treffen sich die Hipster und Start-upper aus Berlin-Mitte zum Lunch? Bei Klub Kitchen in der Almstadtstraße in der Nähe vom Rosa-Luxemburg-Platz. Hier sieht man etwa regelmäßig den Podcaster Matze Hielscher (Hotel Matze) oder den Uralt-Rapper Michael „Michi“ Beck von den Fantastischen Vier. Und das hat auch seine Gründe. Denn will man sich grün und sauber fühlen, dann ist das spärlich eingerichtete Bistro mit seinen weißen Wänden, den kleinen Marmortischen und seinen cleanen Holzmöbeln genau das Richtige für ein Prä-Corona-Business-Lunch.

Während der Pandemie, wie auch sonst, gibt es die Speise auch zum Mitnehmen. Und was soll man hier essen? Eigentlich kann man bei Klub Kitchen alles essen. Die Menufolge ist zwar ein wildes Potpurri von zusammengemixten Gerichten aus aller Herren Länder (Knödel, Hummus, Chimichurri, Glasnudeln, Pesto), aber die Gerichte selbst harmonieren komischerweise trotzdem auf ihre ganz eigene Art. Besonders zu empfehlen sind vor allem die (etwas zu fettigen) Spinat-Knödel mit ordentlich viel Parmesan und geräucherter Paprikabutter für 8,50 Euro.

Oder das gegrillte Lachsfilet (auch wenn man Lachs ja nicht mehr essen soll) mit einer scharfen Ingwer-Sojasauce, Edamame, Schlangengurke und gedämpftem weißen Reis für 10,50 Euro. Die absolute Lieblingsspeise der Klub-Kitchen-Anhänger ist aber sicher der Ceasar Salat (9 Euro). Klar, das verwundert wahrscheinlich auf den ersten Blick, da ja ein Ceasar Salat meistens in Deutschland mit viel Mayo nur noch in der Systemgastronomie angeboten wird.

Bei Klub Kitchen aber ist der Ceasar Salat eine sehr gelungene Abwandlung des mexikanischen Originals. Sie servieren ihn mit saftigem gekochtem Hähnchenfleisch, Joghurtdressing, Avocado und – das ist das Beste - richtigen althergebrachten Butterbröseln! Auch wenn das Dressing etwas zu süß ist, sollten Sie den Salat probieren. Es lohnt sich!

Klub Kitchen, Amstadtstraße 9 bis 11, 10119 Berlin, Montag bis Freitag 12 bis 15 Uhr und 18 bis 20 Uhr.

Bewertung: 4 von 5 Punkten.

Foto: zVg
Die Henne gibt es angeblich schon seit 1908.

Die Henne in Kreuzberg

Wie soll man also eine West-Berliner Gastronomie-Institution bewerten, die von sich behauptet, schon seit 1908 in der Form zu existieren, von der es Gerüchte gibt, Adolf Hitler selbst sei in seinen Berliner Jahren hier gerne eingekehrt? Schwierig, denn kaum ein Lokal in Berlin polarisiert so wie das Alt Berliner Wirtshaus Henne auf dem Leuschnerdamm. Viele Leute würden für ihre gebackenen Hähnchen töten, aber genauso viele hassen sie auch.

Nicht nur, dass die Wirtsleute nicht die freundlichsten sind (Berliner Schnauze), es fängt ja schon mit dem Namen an: Was soll überhaupt „Alt Berliner“ in Berlin immer heißen? In keiner anderen deutschen Stadt findet man dieses Prädikat vor den Osrtsnamen. Es gibt kein Alt Dortmunder oder Alt Krefelder. Aber Alt Berliner schon? Wann hörte eigentlich das alte Berlin auf? 1918, 1933, 1945 oder 1989? Und wann begann das neue Berlin?

Aber kommen wir zum Wesentlichen, den gebackenen Hähnchen. Und eins muss man vorneweg sagen. Wir sprechen hier nicht von Hähnchen aus dem Imbisswagen die vor dem Baumarkt stundenlang an einem Spieß drehten. Wir sprechen bei der Henne schon von gehobenen Hähnchen, guten Hähnchen, frischen halbierten Jungmasthähnchen (9,80 Euro). Das muss man wissen, bevor man sich ein abschließendes Urteil bilden möchte.

Und bei der Henne kommt es dabei auch weniger auf das weiße Fleisch des Vogels selbst an, sondern es geht dem Gast um die Hülle. Die Haut. Und dabei vor allem um die Krossheit derselben. Eins ist schon mal klar: In keinem Hähnchenhaus der Stadt ist die Haut so kross wie in der Henne. Sie ist nicht selbst kross wie bei Hähnchen aus dem Rohr, sondern sie ist überzogen von einer dickeren Schickt salzigen (deutlich zu salzigen) Backteigs, der in der Fritteuse so heiß und kross wird, dass er beim Kauen manchmal das Gefühl von Sand zwischen den Zähnen erzeugt.

Beim Reinbeißen kracht es regelrecht, wenn man in einen Schenkel beißt. Das muss man mögen. Dazu gibt es in der Henne eigentlich nur Kraut- und Kartoffelsalat. Wer ganz großen Hunger hat, der bestellt als Vor- oder Nachspeise noch zwei warme leicht scharfe Debrecziner Würstchen mit Senf (3,80 Euro). In der Kombination mit dem Hähnchen ist das dann die absolute Krönung für die, die eben Fans der Henne sind. Alle anderen gehen eben einfach woanders hin.

Alt Berliner Wirthaus Henne, Leuschnerdamm 25, 10999 Berlin, täglich 17 bis 22 Uhr.

Bewertung: 3 von 5 Punkten.

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