Berlin - Um es gleich vorweg zu sagen: Hungerstreiks sind für Medien und Öffentlichkeit immer ein großes Spektakel, denn sie lösen eine komplexe Melange von Gefühlen aus. Anerkennung, Betroffenheit, Kopfschütteln, Scham, Ekel und Abscheu. Und die Liste berühmter Hungerstreikender ist lang. Da ist zum Beispiel der große Mahatma Gandhi, der gegen Gewalt während des Kampfs um die Unabhängigkeit vom britischen Kolonialregime hungerte. Da sind der nordirische IRA-Kämpfer Bobby Sands oder der RAF-Terrorist Holger Meins. Die beiden Letztgenannten lösten eine riesige mediale Aufmerksamkeit aus und starben schließlich nach Monaten des Hungerstreiks elendig im Gefängnis – freilich ohne ihre Forderungen durchgesetzt oder den Status quo entscheidend verändert zu haben.

Das Konzept des Hungerstreiks war zu allen Zeiten im 20. Jahrhundert bei Protestierenden und Mächtigen mehr oder weniger beliebt und endete in den meisten Fällen ohne politischen Erfolg und in den seltensten Fällen mit dem Tod der Hungerstreikenden. Die Gruppe von sieben deutschen Jugendlichen zwischen 18 und 27 Jahren, die jetzt in Turnschuhen und Fleecejacken im Spreebogen mitten in der Hauptstadt unter dem Motto „Hungerstreik der letzten Generation“ versuchen, die Bundesregierung zu radikalen Aktionen in der Klimapolitik zu zwingen, sehen sich in dieser Tradition. 

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.