Berlin - Über knapp zweieinhalb Kilometer erstreckt sich die modisch interessanteste Straße des Bezirks – denn wenn vom Boom in Neukölln die Rede ist, dann ist der Weserkiez gemeint. Selbst wenn das nicht sofort zu erkennen ist, denn teilweise läuft man minutenlang an mittelprächtigen Wohnhäusern vorbei, bis das nächste stylische Café oder Restaurant am Wegesrand aufploppt. Aber das macht ja den bürgerfreundlichen Flair dieser hippen Dorfstraße aus, eine angenehme Mischung aus Wohnen, Gastronomie und Nightlife, aus Ruhe und Krach. Der Altersdurchschnitt der Anwohner liegt gefühlt bei 30. Viele sind zugezogen und eigentlich alle kreativ. Die Laune ist an diesem lauen Sommernachmittag jedenfalls gehoben - sowohl vor als auch hinter der Kamera. 

Agatha Powa
Fletcher ist der Star der Weserstraße. Der Barista aus dem Café Dots ist ausgebildeter Pianist, er begann während des Lockdowns, die Nachbarschaft mit Liveauftritten von seinem Balkon aus zu bespaßen. 
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Fletcher kommt ursprünglich aus Neuseeland, das Möwen-Tattoo ist für ihn ein Symbol seiner Heimat. Die Brille hat sechs Euro gekostet, er trägt sie bei der Arbeit.
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Sportlich schwarz-weiß: Nike-Cap, Goldkette, selbst ausgeschnittenes T-Shirt, Shorts und Sneakers, ebenfalls von Nike. Das Outfit trägt er zum Arbeiten, Sportmachen und Tanzen, sagt Fletcher.
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„Klar“, sagen sie, als wir ein Foto machen wollen. Anton trägt Zara-Shorts zu Uniqlo-Shirt und Columbia-Cap, Nico eine Trainingsjacke von Adidas Originals mit Billard-Print, Shorts von Nike und einen Bucket Hat von Kangol.
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Nico findet, man kann Nike und Adidas mixen ...
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... genauso wie Kette und Ring. Den Schmuck hat er auf dem Flohmarkt gekauft.
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Anton verzieht keine Miene beim Shoot.
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An den Füßen von Anton und Nico: Adidas, samt aufgeschrammtem Schienbein, wie es sich in jungen Jahren gehört.
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Starker Auftritt und ein „Nothing Compares 2 U“-Moment: An Silvester hat sich Vira die Dreadlocks abgeschnitten, seitdem trägt sie die Haare superkurz – und sieht ein bisschen aus wie Sinead O’Connor 1990.
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Die gebürtige Neuköllnerin arbeitet als Kinematografin und Fotografin. Sie liebt expressiven Schmuck, den sie vor allem auf Flohmärkten findet.
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Vira hat eine Vorliebe für Schwarz und Erdtöne, ihr Outfit besteht vor allem aus Vintage-Stücken. Hund Shiva kann das egal sein. Der Terrier-Rüde will eigentlich weiter Gassi gehen.
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Die gebürtige Philippinin Lucilla wohnt in Rudow. Heute besucht sie Freunde in Neukölln. Ihr blumiges Outfit hat sie selbst genäht, dazu trägt sie Goldschmuck von ihren Eltern sowie Schuhe, Brille und Tasche von Gucci.
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Die runde Gucci „Marmont“ mit geflochtenem Doppel-G-Logo zum floralen Color-Blocking.
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Ole ist visueller Künstler und Modemacher. Der gebürtige Berliner lebt die meiste Zeit in Ubud auf Bali, wo er gerade eine kleine Wohnanlage für Künstler aufbaut. Er hat einen Anzug aus seiner eigenen Kollektion an, dazu trägt er ein selbst gemachtes Hemd mit Kandinsky-Print und italienische Chelsea Boots.
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Muster all over: Zuerst waren es die Bilder, dann kam die Kollektion, dann das Hotel. Ole kombiniert Fäden und Farben auf der Leinwand genauso wie auf den Maßanzügen, die er in Bali per Hand fertigen lässt. Sie können über oleukena.com geordert werden. Seine Motive arbeitet er auch in die Hotelanlage ein, wo sich die Muster zum Beispiel in den gepflasterten Wegen wiederfinden.
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Kaisa studiert Visual Design in Helsinki. Sie besucht gerade ihren Freund Jakob, der hier im Kiez wohnt. Der gebürtige Slowake ist Artdirector beim Berliner Schuhlabel Trippen. Kaisas Outfit besteht aus Vintage-Stücken, Jakob trägt zum Vintage-Hemd eine Hose von COS. 
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Kaisa und Jakob tragen Stiefeletten von Trippen.
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Jakob ist auf vielen Ebenen kreativ: Für seine Schlüssel hat er eine Halterung designt, die patentverdächtig ist.
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Seine Umhängetasche ist vom Label Innenraum Berlin.
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Einen außergewöhnlichen Beruf hat Kristina, die aus Braunschweig zu Besuch ist: Sie ist Transformationsdesignerin und nennt sich selbst auch Utopistin. Mit Vorliebe mischt sie unterschiedliche Materialien zusammen, so wie an diesem Tag eine leichte Bluse und eine Häkelweste.
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Auch wenn sie beruflich die Zukunft gestaltet, so steht Kristina modisch auf die Vergangenheit. Ihr goldgelbes Outfit ist komplett Vintage, auch die rostbraune Ledertasche.
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Den kalifornischen Regisseur Mishka fotografieren wir mit spontanem Support durch das hiesige Handwerk. Mishka lebt seit zweieinhalb Jahren in Berlin, seine Tasche hat er vom Sundance-Festival aus den USA mitgebracht.
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Das Kapuzensweatshirt entstammt einer Merchandise-Kollektion von Freunden, die das Online-Mag Also Cool Magazin betreiben.
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Die Musikerin Nuria, die Eventkuratorin Andra und die Tänzerin Gifty sind Freundinnen. Die ganz in Schwarz gekleidete Nuria (Shirt von Bershka, Iriedaily-Hose und Timberland-Sneakers) passt gerade auf die Bulldogge Chili auf, die eigentlich der Berliner Rapperin Nura gehört. Andra trägt ihr Traumkleid von Andotherstories zu Nike Sneakers und eine Vintage-Tasche von Guess; Gifty eine weiße Weekday-Jacke, Asos-Hose und Asics-Sneakers.
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Nuria trägt Goldkette zum schwarzen Leisure-Outfit.
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Gifty trägt einen flauschigen Bucket Hat von Asos und Schmuck von Andotherstories.
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Isi arbeitet als Artdirector bei Zalando. Sie trägt eine Vintage-Bluse, dazu eine schwarze Levi’s Jeans und Nike Dunk Low.
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Die Bluse mit dem klassischen Kettenmuster ist ein Lieblingsteil, sagt Isi. Sie hat ganze fünf Euro gekostet. Dazu trägt sie eine Crossbody-Bag von Coach.
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Isi ist gebürtige Tunesierin. Die Tattoos sind Symbole der Berber aus ihrer Heimat. Die Brille ist von Gucci.
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Am 14./15. August 2021 im Blatt: 
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