Berlin - Ein langes Spätsommerwochenende in einer Universitätsstadt im Mittleren Westen der USA: Einige Wochen nach dem Tod seines Vaters beschließt Wallace, ein schwarzer, schwuler Doktorand der Biochemie, doch noch zu seinen Freunden an den Pier zu gehen. Was banal klingt, wird in Wallace’ Leben zu einer folgenschweren Entscheidung, die lange unsichtbar brodelnde Konflikte zum Vorschein kommen lässt. „Real Life“, das wortgewaltige Debüt des US-amerikanischen Schriftstellers Brandon Taylor (1989 geboren), spielt an einem Wochenende, das sich anfühlt wie Wochen oder Monate, weil es um ein Leben geht, das bedrohter kaum sein könnte: durch Missbrauch und Depression, Gewalt und Begehren, Rassismus und Einsamkeit.

Aber auf Anfang: Wallace züchtet Nematoden, deren Erbgut er verändert und über Generationen miteinander kreuzt. Am Institut ist er der erste schwarze Doktorand seit drei Jahrzehnten, umgeben von weißen Menschen, die es leichter hatten als er. Als er eine Kollegin zurechtweist, die ihn mit dem N-Wort beschimpft, wird ihm wenig später von seiner Doktormutter Frauenhass vorgeworfen. Eine der vielen absurden Situationen, in denen der teilnahmslos wirkende Wallace Rassismus erleben muss. Er solle sich überlegen, ob die Universität der richtige Ort für ihn sei. Und Wallace überlegt, ob die Universität Platz für Menschen wie ihn hat. 

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