Berlin -  Die Zahl der Patente auf Pflanzen hat sich weltweit verhundertfacht. Von knapp 120 im Jahr 1990 auf heute 12.000 Sorten – 3500 davon sind nach Angaben der europäischen Initiative No-Patents-On-Seeds in Europa angemeldet. Durch die Patentierung einer Pflanze hat der Patentinhaber meist das exklusive Recht, das Produkt zu züchten, anzubauen und zu verkaufen.

Dies schränkt Landwirte ein, diese Sorte ohne Erlaubnis zu säen, zu pflanzen, zu ernten oder zu züchten. Patente werden oft auf Pflanzen mit besonderen Eigenschaften oder auf einzelne Gensequenzen in den Pflanzen angewendet, wie z.B. Krankheitsresistenz oder Resistenz gegen die Auswirkungen des Klimawandels.

Kauft ein Landwirt zertifiziertes Saatgut vom Züchter, ist im Preis eine Lizenzgebühr enthalten. Behält er einen Teil der Ernte zurück und setzt dieses Saatgut für eine neue Aussaat ein, muss er dafür ebenfalls Gebühren zahlen.

Laut der in Indien ansässigen Marktforschungsagentur Mordor Intelligence wird der Umsatz im Saatgutsektor bis zum Jahr 2024 90 Milliarden Dollar erreichen, verglichen mit etwa 60 Milliarden Dollar im Jahr 2018. Und über 50 Prozent des weltweiten Marktanteils teilen sich Bayer-Monsanto, Du Pont und Syngenta.

Der UN-Bericht „Das Recht auf Nahrung“ hat deshalb Bedenken über die Nahrungsmittelsicherheit geäußert, die durch „diese oligopolistische Struktur“ verursacht wird, und davor gewarnt, dass dies auch zu einem Anstieg der Nahrungsmittelpreise führen und die Ärmsten um Nahrung bringen könnte. Zwar behauptet Monsanto, dass die Aufrechterhaltung der Patentgesetze notwendig sei, weil sie auch die Finanzierung neuer Erfindungen garantiere.

Kritiker argumentieren jedoch, dass Patente den Landwirten den Zugang zu genetischem Material versperren und die Biodiversität, also die Vielfalt der Arten, minimieren und die Abhängigkeit der Landwirte von den Saatgutherstellern erhöhen. „Das ist etwas, das nicht nur in den USA oder Europa passiert, sondern rund um den Globus“, sagt Bram de Jonge from Oxfam Netherlands. „Wer wird in Zukunft entscheiden, was auf den Feldern landet? Es werden die großen Konzerne sein. Patente wurden eigentlich geschaffen, um menschliche Erfindungen wie ein Radio oder ein Mobiltelefon zu schützen, aber nicht für lebendes Material.“

IMAGO/Jochen Tack
Mähdrescher bei der Ernte in Deutschland.

Frankreich: Größter Ernetausfall seit Jahrzehnten

Die Frostwelle in den französischen Weinanbaugebieten bedeutet den Verlust von mehr 30 Prozent der jährlichen Weinproduktion. Das ist einen Umsatzausfall von rund zwei Milliarden Euro. Frankreichs Landwirtschaftsminister Denormandie nennt es die "wohl größte landwirtschaftliche Katastrophe im frühen 21. Jahrhundert". Neben Weinreben sind auch viele andere Landwirtschaftliche Erzeugnisse in diesem Jahr von der späten Frostwelle betroffen. Bereits 2017 und 2019 litt Frankreich unter schweren Kältewellen. Wissenschaftler gehen daher inzwischen davon ausm, dass nicht nur das Wetter, sondern der fortschreitende Klimawandel für die Problem verantwortlich ist. 

IMAGO/Westend61
Frost und Kälte sorgen für große Schäden.

Das Geld muss irgendwo hin

Der Kapitalmarkt galoppiert schon eine Weile an der Realität vorbei. Am deutlichsten lässt sich das an Bewertungen von Unternehmen wie dem Autobauer Tesla sehen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Tesla-Aktie liegt eine ganze Weile schon jenseits von gut und böse. Anfang 2021 notierten Analysten ein KGV von 1700. Zum Vergleich: von einem nachhaltigen KGV wird gesprochen, wenn dieses Verhältnis im zweistelligen Bereich liegt.

Nun war von Anfang an schwierig, Tesla fair einzuordnen. Der Aktienkurs des Unternehmens ist seit jeher an wahlweise große Hoffnungen, oder große Enttäuschungen gekoppelt und steht damit synonym für Bewertungen am Aktienmarkt, die schon lange nichts mehr mit den Umsätzen oder gar Gewinnen eines Unternehmens zu tun haben. So schrieb Elon Musks Firma lange Zeit Verluste. Einen Jahresgewinn vermeldete Tesla das erste Mal in seiner Unternehmensgeschichte im vergangenen Jahr. Das hatte vor allem mit Gewinnen aus einem Bereich zu tun, den Analysten als modernen Ablasshandel beschreiben: sogenannte Emissionszertifikate, mit denen Unternehmen ihre CO2-Bilanzen kompensieren. Allein damit verdiente Tesla im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Euro. Damit drehte sich das Nettoergebnis von 862 Millionen Dollar Verlust im Jahr 2019 zu 721 Millionen Dollar Gewinn in 2020.

Tesla ist dabei kein Einzelphänomen. Vergangene Woche kündigte sich der nächste Rausch an der Wall Street mit dem Börsengang von Coinbase an. Die Krypto-Handelsplattform war aus dem Stand mit 100 Milliarden Euro bewertet worden. Das Unternehmen ist mit 56 Millionen Nutzern Marktführer. Auch über diese Bewertung wird viel diskutiert. Scheint sie doch wie bei Tesla sehr hoch. Allein, dass die Entwicklung der Plattform so eng an den Kurs von Kryptowährungen wie dem Bitcoin gekoppelt ist, wird als Risiko besprochen. Könnte nach dem jüngsten Bullenmarkt doch bald schon der Bitcoin-Winter folgen und damit die Gewinne von Coinbase einbrechen. Gehandelt wird mit Kryptowährungen vor allem während Kursrallyes.

Maßgeblich werden Bewertungsblasen wie die um Tesla oder Coinbase von einem Effekt getrieben: Kapitalflucht. Je schwächer Konjunkturdaten ausfallen, umso mehr sind wachstumsstarke Unternehmen gefragt. Befeuert wird dieser Effekt vom niedrigen Zinsumfeld und der Fiskalpolitik während der Pandemie. So gilt die Geldpolitik der Notenbank Fed in den USA als wichtigster Antriebsmotor für Growth-Aktien und mit deren Ende rechnet gerade niemand.

BLZ / Galanty; Ariva.de
Bitcoin und Tesla schlagen den DAX.

Chinas Wirtschaft wächst: Daimler ist der Gewinner

So geht Wachstum heute: Chinas Wirtschaft ist im ersten Quartal im Rekordtempo gewachsen. Um 18,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres - der größte Sprung seit Beginn der Aufzeichnung vor 30 Jahren. Das liegt zwar auch am Corona-Stillstand vor einem Jahr, stellt aber dennoch den Rest der Welt in den Schatten.

Vor allem der Export trieb das Wachstum im Reich der Mitte: Allein im März stiegen die Ausfuhren um 30,6 Prozent: Chinas Fabriken liefen auf Hochtouren, lieferten vor allem Coronatests und Schutzmasken in alle Welt, aber auch neue Laptops und andere Ausstattung für das Homeoffice.

Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird nach Schätzung der OECD in diesem Jahr um 7,8 Prozent wachsen, nachdem sie auch 2020 als einziges großes Land ein Plus verzeichnen konnte. Von der guten Konjunktur ihres wichtigsten Handelspartners profitiert vor allem die deutsche Exportwirtschaft.

Ihre Ausfuhren in die Volksrepublik wuchsen allein im Februar um 25,7 Prozent zum Vorjahresmonat auf 8,5 Milliarden Euro. Angetrieben von der Nachfrage aus China veröffentlichte Daimler am Freitag mehr als eine Milliarde Euro Gewinn allein in China im ersten Quartal. Insgesamt konnte der Autobauer seinen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 5,75 Milliarden Euro fast verzehnfachen.

Mit einem Plus von zeitweise über drei Prozent zog die Daimler-Aktie den Deutschen Aktien-Index auf einen neuen Rekord von 15.000 Punkten.

IMAGO/photothek
Kohlekraftwerke sorgen für hohe Emissionen.

CO2-Preis im gesamten 21. Jahrhundert notwendig

Seit 1960 haben sich die weltweiten Treibhausgasemissionen fast verfünffacht. Zwar senkte Deutschland seine CO2-Emissionen seit 1990 um fast 40 Prozent. Allein im vergangenen Jahr – bedingt durch die Corona-Pandemie während der Corona-Pandemie – sind die weltweiten Emissionen um 2,6 Milliarden Tonnen (Deutschland stößt jährlich 0,7 Milliarden Tonnen aus) gefallen.

Würde der einmalige Ausrutscher so weitergehen, dann würden jährlich die Auflagen des Pariser Klimaabkommen eingehalten. Das Zwei-Grad-Ziel könnte womöglich eingehalten werden Doch danach sieht es nicht aus. Ist die Krise einmal überwunden, geht das muntere Herausblasen wohl einfach weiter.

So sehen es auch die Experten des renommierten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Im gesamten 21. Jahrhundert werde eine substanzielle Bepreisung von CO2-Emissionen notwendig sein. Zu dieser Einschätzung kommt ein Team des Instituts einer aktuell vorgelegten Studie. In ihrer Analyse untersuchen die Wissenschaftler auch, wie eine wirklich effektive Treibhausgasbepreisung ausgestaltet und eingeführt werden könnte. Sie fordern dabei etwa eine Eindämmung der übermäßigen Nutzung von Technologien zur künstlichen Reduktion von CO2 in der Atmosphäre (Carbon Dioxide Removal – CDR).

Gelinge das, müsste der Preis pro Tonne CO2 nicht weiter ansteigen, nachdem Klimaneutralität erreicht sei. „Sobald die Emissionen auf Netto-Null gedrosselt werden, könnte sich der CO2-Preis auf einem hohen Niveau abflachen“, urteilt das Potsdamer Institut. Voraussetzung für so einen Schritt wäre aber ein dementsprechend hoher CO2-Preis von 2030 an. Laut PIK zufolge müsste der Preis für eine Tonne CO2 weltweit flächendeckend zwischen 65 und 160 Euro liegen.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo.