Berlin - Auch Europas beste Impfquote konnte Island nicht vor einer vierten Corona-Welle schützen. 71 Prozent der knapp 357.000 Menschen im Land gelten als vollständig geimpft, trotzdem brechen die aktuelle Inzidenzwerte alle Rekorde auf der Insel. Mitte Juni gab es eine 14-Tage-Inzidenz von unter zwei, bis zum 9. August kletterte der Wert auf über 433 – nie gab es statistisch mehr Covid-19-Fälle. Bei der bisher letzten Zählung am 22. August sank der Wert zwar auf fast 317, der bevorstehende Schulanfang am 26. August könnte die Ausbreitung des Virus aber erneut beschleunigen.

Nach Expertenmeinungen sind aber solche „Durchbruchsfälle“ (Neuinfektionen bei geimpften Personen) nichts Überraschendes, auch in einer angeblich so gut geschützten Bevölkerung wie in Island. Denn die Zahlen zeigen auch, dass Impfen sich trotzdem lohnt. Aus den 3.500 Fällen, die in der laufenden Welle gemeldet wurden, mussten nur 65 Erkrankte im Krankenhaus behandelt werden. Davon waren 40 nicht geimpft, niemand ist gestorben. Impfgegner auf der Suche nach einem Fallbeispiel, das ihre Argumente stützt, werden in Island also noch nicht fündig.

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