Berlin - Die Parteivorsitzenden der Grünen, Annalena Baerbock und Robert Habeck, haben gemeinsam mit FDP-Chef Christian Lindner und FDP-Generalsekretär Volker Wissing ein Selfie aufgenommen, das alle zeitgleich nachts auf ihren jeweiligen Instagram-Acounts veröffentlicht haben. Noch bemerkenswerter als das gemeinsame Foto ist aber der darunter stehende Text. Dort schreiben die Vier: „Auf der Suche nach einer neuen Regierung loten wir Gemeinsamkeiten und Brücken über Trennendes aus. Und finden sogar welche. Spannende Zeiten.“ Ein eindeutiger Fingerzeig an die beiden potentiellen „großen“ Koalitionspartner SPD und Union.

Während CDU und CSU am Dienstag über den Fraktionsvorsitz stritten und sich am Ende nur auf eine Kompromisslösung mit der Interimswahl von Ralph Brinkhaus einigen konnten, attackierte Söder seinen internen Konkurrenten Armin Laschet offen. Nachdem die SPD-Parteichefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans in den vergangenen Tagen zu Beleidigungen von Christian Lindner übergegangen waren, demonstrierten Grüne und Liberale am späten Dienstagabend traute Viersamkeit.

Mit einem solchen Foto, das es so oder so ähnlich während des Wahlkampfs und auch davor nicht gegeben hat, deutet sich eine Verschiebung der Gewichte im kommenden Sondierungspoker an. FDP und Grüne wollen damit offenbar zeigen, dass sie für die Erneuerung des Landes auch bereit sind, bisherige Animositäten zu überwinden. Eine der möglichen Botschaften: Zwei Kleine sind größer als ein Großer. Die SPD hat 206 Mandate, die Union 196. Grüne (118) und FDP (92) kommen zusammen auf 210 Mandate.