Berlin - Es gibt etwas, das können die Franzosen viel besser als wir Deutschen: über unsere Gesellschaft schreiben – und zwar aus dem Dreck. Nehmen wir etwa Virginie Despentes und ihre Trilogie „Das Leben des Vernon Subutex“, eine literarische Offenbarung aus der Grande Nation, die hier am Beispiel eines ehemaligen Plattenhändlers die Abstiegsangst der französischen Mittelschicht als Sozialpanorama illustriert und es dabei schafft, vor allem lustig zu sein.

Darin finden sich Sätze wie dieser: „Wenn man über 40 ist, gleicht die ganze Welt einer bombardierten Stadt.“ Despentes’ Protagonist hangelt sich, nachdem er seine Miete nicht mehr zahlen kann und aus seiner Wohnung rausfliegt, von einer zur nächsten Couch beliebiger Facebook-Bekannter, bis er die Obdachlosigkeit nicht mehr vermeiden kann. „Angesichts der Katastrophe hält sich Vernon an einen Grundsatz“, heißt es bei Despentes: „So tun, als ob nichts wäre.“ Ein Motiv, mit dem – und nun springen wir in die deutsche Gesellschaft – man auch unsere Mittelschicht seit geraumer Zeit beschreiben könnte.

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