Berlin-Köpenick - Der Jubel war grenzenlos! Wenn der alte Fangesang „So lange wir quer durch Deutschland ziehen, wird das Saufen immer weitergehen. Und irgendwann, irgendwann einmal, spielt Union auch international.“ plötzlich Wahrheit wird, kann wohl keiner ruhig bleiben an der Alten Försterei. Nicht nach dieser Saison, nicht nach diesem Zieleinlauf, der am letzten Spieltag erst in der Nachspielzeit zur großen Party wurde.

Die Kritik an dem „Wie?“ der Party - nach dem Spiel hunderte Fans vor dem Stadion-Balkon dicht an dicht teilweise ohne Mundschutz feierten - überdeckte zwar nicht die Stimmung in Köpenick, wohl aber die vereinzelten Fragezeichen, die mit der Qualifikation des Klubs für die Conference League einhergehen.

Berliner Verlag/Stephanie F. Scholz
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Denn anders als vor 20 Jahren, als Union als Drittligist nach dem Einzug ins Pokalfinale gegen den FC Schalke 04 plötzlich im UEFA-Cup antreten durften, geht der Bundesligist in Anbetracht von potenziellen Gegnern aus Luxemburg, Albanien, Litauen oder von den Färöer Inseln nicht unbedingt als krasser Außenseiter in die Premierenauflage des Turniers.

Bedeutet, das im Umkehrschluss, dass die Eisernen den Wettbewerb als sportliche Herausforderung und Highlight für ihre Fans annehmen, muss der Kader jedoch entsprechend angepasst werden. Ein Erreichen der Gruppenphase bedeutet wiederkehrende englische Wochen zwischen September und Dezember, dazu kommen hoffentlich viele Spiele im DFB-Pokal und die eigentliche Hauptbelastung: der erneute Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga.

Dabei setzen die Eisernen bei ihren bisher bekannten Neuzugängen zunächst noch auf Qualität. Der Pole Tymoteusz Puchasz ersetzt den abgewanderten Christopher Lenz, Paul Jaeckel ersetzt Florian Hübner, Rani Khedira nimmt Christian Gentners Platz ein und Levin Öztunali den von Andy Gogia. Einzig Genki Haraguchi, der am Donnerstag aus Hannover zu den Eisernen stieß, könnte mit seiner Vielseitigkeit in der Offensive als so etwas wie ein „Europa-Kader-Transfer“ verstanden werden. Von solchen Spielern, die gleich mehrere Mitspieler ersetzen können, wird Sportchef Oliver Ruhnert noch einige finden müssen, um den Kader für die neue Herausforderung zu vergrößern.

Nur: Die Eisernen haben auch noch konkrete offene Kaderplätze. Selbst beim bislang unbestätigten Transfer von Zweitliga-Torschützenkönig Serdar Dursun, fehlt noch mindestens ein Stürmer, um die Qualität der Vorsaison, zumindest auf dem Papier, zu bestätigen - vorausgesetzt, Anthony Ujah findet nach seiner langen Verletzung überhaupt zur alten Form zurück.

Viel Arbeit also in der Kaderplanung und Geld, das zusätzlich bewegt werden muss. Ist die Conference League, deren sportlicher Wert noch nachzuweisen ist, das alles wert? Diese Frage müssen sich die Eisernen beantworten - sonst droht nach der Party womöglich ein „Europa-Kater“.

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