Berlin - Es war irgendwann in den frühen Siebzigern, als sich der Musiker Karl Bartos seiner Bedeutung bewusst wurde. Er war gerade bei der Gruppe Kraftwerk eingestiegen und auf Tour in Amerika, da sah er Muddy Waters spielen, in einem Club in San Francisco vor nur zehn Leuten. Und da habe er gespürt, „dass wir etwas Eigenes am Laufen hatten“, erzählt er. „Das war nicht wie Klaus Doldinger, der in die USA kam, dort seine Saxofonsoli blies und doch nie so gut sein würde wie Charlie Parker. Die Dur-Akkorde, die wir spielten, entsprachen unserer eigenen Weltsicht, nicht der eines anderen.“

Genau dies war das verbindende Element all der Musikanten, die man heute unter dem viel bestaunten Phänomen Krautrock einordnet, dem einzigen genuin deutschen Beitrag zur Rock-Historie: die Suche nach einer eigenen Sicht, einem eigenen Klang – die deutsche Musikkultur empfand man als von den Nazis nachhaltig kontaminiert und sich in angloamerikanischen Musikformen zu üben, als Etikettenschwindel. „Warum hätten wir Blues spielen sollen? Das konnten die Amerikaner besser. Und Rock konnten andere noch viel besser. Auch in allen anderen Genres waren uns andere überlegen“, so Holger Czukay von der Kölner Band Can.

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