Berlin - Wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Ozzy Osbourne. Der greise Rocker erzählte letzte Woche freimütig, er vertreibe sich während des Lockdowns die Zeit damit, auf seinem Anwesen in Los Angeles mit einem Gewehr auf  Vögel und fremde Katzen zu schießen, die sich in seinen Garten verirrten. Das sei „good fun“ und seine Lernkurve dabei so steil, dass er inzwischen schon einige zur Strecke gebracht habe. Ich tröste mich mit dem Glauben an eine Parallelwelt, in der elefanteske Riesentauben zur Abwechslung einmal ihm den Kopf wegpicken.

Wie sehr hat Sie als Anhängerin des britischen Königshauses der Tod von Prinz Philipp getroffen?

Ich bin tatsächlich aufrichtig traurig. Zugegebenermaßen am meisten wegen der armen Queen. Bei allen offensichtlichen Ausfällen lieferte Philipp in seinen mehr als 70 Jahren als Prinzgemahl an der Seite der Queen aber auch einige goldene Bonmots – so soll er ihr zum Beispiel bei ihrer Krönung die beste Frage gestellt haben, die einem bei einem solchen smalltalktechnisch anspruchsvollen Anlass einfallen kann: „Wo hast du den Hut her?“ Dem Vernehmen nach soll er schon vor Jahren angegeben haben, dass er sich ein Begräbnis im eher kleinen Familienkreis wünscht, ich finde es trotzdem sehr schade, dass ein eventuelles Staatsbegräbnis wohl coronaregelkonform ohnehin nicht machbar wäre. Ich habe eine große Schwäche für pompöse Trauerzüge und schaue mir in trüben Stunden oft das Video des Leichenzugs von Prinzessin Diana an.

Welcher Promi hat Sie vergangene Woche zum Nachdenken gebracht?

Victoria Swarovski, überraschenderweise. Die „Let’s dance“-Moderatorin spielte beim in der wie immer sensationellen Oster-„Traumschiff“-Folge – wiederum weniger überraschend – eine Tanzlehrerin. Ich verkürze den wie alleweil aufwändig ziselierten „Traumschiff“-Plot jetzt mal ein wenig: Ein unangenehmer Mann verliebt sich in sie, wie es auf diesem Amourendampfer eben so üblich ist, stellt sich beim Anbandeln aber so täppisch an, dass er sich sein poussierndes Gegurre von einer blinden Mitpassagierin soufflieren lässt (ich sagte es bereits: aufwändig ziseliert), was natürlich in die Hose geht. Und ich dachte noch am Dienstag darüber nach, ob das ein subtiler Diss der Drehbuchautoren gegen die echte Victoria Swarowski ist, die bei „Let’s Dance“ ja auch eher überschaubar charismatisch ebenfalls die Texte fremder Leute aufsagt.

Welche Fernsehsendung werden Sie am Wochenende auf jeden Fall meiden?

Die Überraschungssendung „Denn Sie wissen nicht, was passiert“ – da Günther Jauch ja an Corona erkrankt ist, muss ein Ersatz her, und ich befürchte, dass es der für meinen Geschmack derzeit deutlich zu präsente Fiesmöpp Oliver Pocher sein wird. Den TV-Statuten nach müsste natürlich eigentlich Thomas Gottschalk für Jauch einspringen, aber der macht ja eh schon mit. Vielleicht ist da mit dem sachkundigen Einsatz von Spiegeln und Rauch noch was zu machen.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Gut, dass Sie fragen! Üblicherweise hält sie sich ja sehr bedeckt, doch diese Woche gewährte sie uns ungewohnt intime Einblicke in ihre Beziehung mit Lebensgefährten Thomas Seitel – allerdings eher unkokett mittels einer Gegendarstellung, die sie gegen die Illustrierte „Die aktuelle“ erwirkte. Das Magazin hatte zuvor über die beiden getitelt, sie hätten "Jeden Tag Streit!“. Nun ließ Helene Fischer verlauten: “Wir streiten nicht jeden Tag." Diese Einlassung wirft allerdings auch neue Fragen auf: Streiten sie nur zu besonderen Anlässen? In Monaten ohne R? Die Frau bleibt ein Mysterium.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.