Berlin - Ein 1000-Watt-Lächeln, der Körper gestählt, die Bewegungen dynamisch und leicht wippend zum Chill-House, der aus den Lautsprechern plätschert. So bereitet dieser Typ hinter der Siebträgerkaffeemaschine einen Latte Macchiato nach dem anderen zu, in einem Mordstempo. Viel zu perfekt für Berlin, die gute Laune und diese Freude an der Arbeit im Service-Sektor. Immerhin, das Outfit passt: schwarzes Shirt mit abgeschnittenen Ärmeln, schwarze Shorts, dazu Goldkette und ergraute Nike-Sneakers. Die Uniform der unter 30-Jährigen, die modische Schnittstelle im slightly underdressed Berlin. Glück gehabt, Fletcher Mills. Oder ist es vielleicht andersherum? Kann die Stadt sich vielleicht glücklich schätzen, dass dieser Mensch vor drei Jahren aus Neuseeland nach Neukölln kam und den Kiez jetzt mit seiner Anwesenheit bereichert? Ganz bestimmt.

Geboren wurde Fletcher 1995 in Neuseelands Hauptstadt Wellington, wo er in einer Großfamilie gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern aufwuchs. Schon als kleiner Junge liebte er die Musik. Als 17-Jähriger wurde er für die neuseeländische Version der Talent-TV-Show „X-Factor“ gecastet und schaffte es im Wettbewerb auf Platz zehn. Eine schlimme Erfahrung, wie er sagt: „Ich war jung und wollte meine Musik spielen. Aber die wollten natürlich eine Fernsehshow machen. Ich durfte nur Cover singen, eigene Kompositionen waren nicht erlaubt und nie war man gut genug.“ Daraufhin komponierte er vier Jahre lang keine Musik mehr, studierte aber Klassisches Piano und Finanzen – eine hierzulande ungewöhnliche Kombination, in Neuseeland sogar zeitgleich möglich.

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