Berlin - Am meisten an New York vermisse ich China Town. In meiner Zeit an der Ostküste der USA war es für mich wie ein kleiner Urlaub, in den Süden Manhattans zu reisen und unter Lametta-Drachen an chinesischen Gemüseständen vorbeizuschlendern. Ich erinnere mich noch an den Geruch des glitschigen Fischs am Wegesrand, den Anblick der Litschi-Früchte und der mir unbekannten Rüben und Möhren vor den Läden. 

Am liebsten bin ich auf einen Teller gebratener Nudeln in den Imbiss Tasty Hand-Pulled Noodles gegangen, 1 Doyers Street, New York, wo in einem fünf Quadratmeter großen, neonbeleuchteten Raum die besten Nudeln der Stadt serviert wurden. Der Besucher konnte immer in die Küche schauen und die Besitzer große Nudelteigwürste auf metallenen Tischplatten weich klopfen sehen. Ein Spektakel!

In Berlin ist so eine Atmosphäre schwierig zu finden. Aber wenn ein Restaurant an diese Stimmung herankommt, dann ist es das Da Jia Le in Berlin-Schöneberg! Das Restaurant ist mittlerweile Teil der Weltliteratur geworden. Der Protagonist Jerome in dem Roman „Allegro Pastell“ von Leif Randt geht dort essen, wenn er schlechte Laune hat. Und ich tue das ebenfalls. Man muss nur eine Portion gebratene Ente mit Sojasoße bestellen, essen, genießen, sich den Bauch reiben, und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Probieren Sie es! Es wird Ihnen gefallen! Eine krossere Ente werden sie innerhalb des S-Bahn-Rings so schnell nicht finden. (Falls doch, schreiben Sie mir und schicken Sie mir auch Tipps zu anderen Restaurants in Berlin, die Sie mögen. Und wir rezensieren sie dann. E-Mail an: briefe@berliner-zeitung.de)

Gebackene Auberginen und faire Preise

Was ich an Da Jia Le mag, ist aber nicht nur das authentische chinesische Essen – alle Gerichte mit gebratenen oder gebackenen Auberginen sind zu empfehlen –, sondern auch die Bierauswahl. Der Besitzer muss ein Herz für Süddeutschland haben. Nur so ist zu erklären, dass sich auf der Karte zahlreiche Biere aus Franken (Bayern) befinden, wie etwa Kellerbiere.

Berliner Verlag/Stephanie F. Scholz
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 29. Mai 2021 im Blatt: 
Was passiert in Belarus? Warum riskiert Alexander Lukaschenko jetzt alles? Die große Analyse zum Belarus-Konflikt

Vonovia fusioniert mit Deutsche Wohnen. Was das für die Berliner Mieter bedeutet

Wo landet unser Müll? Wahrheiten und Mythen übers Recycling

Die großen Food-Seiten: Eines der besten chinesischen Restaurants liegt wohl in Schöneberg. Und: Ein Kreuzberger Sommelier tischt auf

https://berliner-zeitung.de/wochenendausgabe

Wunderbar ist die Atmosphäre vor dem Restaurant. An der viel befahrenen Goebenstraße stehen Tische und rot gepolsterte Stühle vor einem Betonblock aus den 70er-Jahren. Hier also, ganz unscheinbar, wird beste chinesische Spitzenküche serviert, und das zu einem fairen Preis. Für mich ist das fast schon so schön wie in China Town, bloß die Neonleuchten fehlen. Ich kann nur raten: Gehen Sie hin, essen Sie gebackene Aubergine und werden Sie glücklich! (PS: Jacques Ritzel empfiehlt knuspriges Schweinefleisch süß-sauer. Schön klebrig und zuckrig.)

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Da Jia Le, Goebenstraße 23, 10783 Berlin, Montag bis Sonntag circa 12–21 Uhr.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.