Berlin 2005. Ich stehe mit zwei Freunden in einem einzigen ungewaschenen Poncho auf einer Bühne in einem schimmelig riechenden Keller. Der Poncho hat drei Löcher für unsere Köpfe. Wir lesen Textzeilen von einem Blatt ab und versuchen, möglichst synchron zu sprechen. Dabei sind wir Teil eines Stückes, das ein anderer verfasst hat. Das auf Bierbänken sitzende Publikum ist bester Dinge. Zum ersten Mal heute Abend lacht es über unsere Darbietung aus vollem Halse. Als wir vorhin unsere selbst geschriebenen Texte vorgelesen haben, war der Zuspruch nicht ganz so fulminant. Wir sind Gastleser bei der Lesebühne „Erfolgsschriftsteller“. Es handelt sich um einen Betriebsausflug. Wir wollen eine Lesebühne in Bonn gründen und vorher dort in die Lehre gehen, wo die Lesebühnen zahlreich, groß und mächtig sind: in Berlin.

Nach dem Auftritt lehne ich schwitzend und nach dem Poncho müffelnd am Tresen und trinke ein Sternburg. Das einzige weibliche Mitglied der „Erfolgsschriftsteller“ steht mit einem Bier neben mir und sagt: „Also am Anfang habe ich gedacht: Was liest der Typ da für ein kariertes Zeug. So viele Worte für so wenig Inhalt. Und die ganzen Adjektive! Die Barockzeit ist vorbei, Freundchen. Aber dann war es doch lustig. Da sieht man mal wieder: Nur weil einer wie ein Jesuitenschüler aus dem Westen rüberkommt, muss er nicht keinen Humor haben.“

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