Berlin - Als Marta ins Badezimmer kommt, trifft sie dort auf ihren Vater, in der Badewanne sitzend, mit einem Eimer auf dem Kopf. Spätestens jetzt begreift sie, dass ihre kleine heile Welt aus dem Ruder läuft. Für die Gymnasiastin kommt es von nun an schlimmer und schlimmer. Und das, wo sie doch gerade selbst dringend nach Orientierung sucht. Sie ist in die lichtbraunen Augen eines Musikers verliebt, die beste Freundin trägt sich mit Selbstmordgedanken. Schule wird zur täglichen Zumutung.

Der portugiesische Spielfilm „Colo“ betört durch eine seltene Mischung aus Klarheit und Geheimnis, die über mehr als zwei Stunden souverän gehalten wird. Schwebende Bilder gehen nahtlos über in spröden Realismus, Dokumentarisches löst sich unversehens in pure Phantasmagorie auf. Die Regisseurin Teresa Villaverde gehört zu den großen Meisterinnen der Ambivalenz. Ihre Filme verlieren sich nie in bloßer Schönheit, sie insistieren stets auf konkrete soziale Zusammenhänge. Dass ihr Name hierzulande bislang nahezu unbekannt geblieben ist, liegt am quasi „touristischen“ Blick unserer Kinolandschaft, der meist nur das äußerlich Schöne und/oder Exotische wahrnehmen und verkaufen will.

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