Berlin - An einem lauen Spätsommerabend mit einem Becher auf einer Wiese abhängen und der Lieblingsband zuhören – es gab Zeiten, da konnte man so das Abenteuer seines Lebens haben: 25 Jahre ist es her, als die fünf Jungs von Oasis an zwei Tagen insgesamt eine Viertelmillion Jugendliche aus ganz Europa in den Knebworth Park in Hertfordshire lockten. Es war das bis dahin größte Open-Air-Konzert überhaupt in Großbritannien.

Vor allem aber, das wird mit dem wunderbaren Konzertfilm „Oasis Knebworth 1996“ erst klar, war es das letzte epochale Popereignis, bevor das Smartphone und Social Media alles ruinierten. Nicht ein Handy ist zu sehen in diesem Film. Fans, Band und Songs teilen gemeinsam einen heiligen Moment, vereint unter dem trotzigen Twang von Noel Gallaghers Gibson Les Paul und Liam Gallaghers sorglosem Swagger: „I need to be myself, I can’t be no one else, I’m feeling supersonic, give me gin and tonic.“ Diesen Moment festzuhalten hätte geheißen, ihn zu verpassen, diesen Moment zu teilen hätte geheißen, ihn zu entweihen.

Wir waren jung, wir waren verliebt, es war die beste Zeit!

So aber bleibt er denen, die da sind: „It was a moment in history, you had to be there“, sagt einer der rund ein Dutzend Fans, die die Filmemacher aus der damaligen Masse herausgepickt und 25 Jahre später wieder getroffen haben. Da sein, das Jetzt feiern, die Gemeinschaft spüren – „maybe you’re the same as me, we see things they’ll never see“, wie es in „Live Forever“ heißt, dem Lieblingssong aller Oasis-Fans: Darum ging es im Pop, und darum ging es hier noch einmal und auf spektakuläre Weise. Wir waren jung, wir waren verliebt, es war die beste Zeit!

Ganz nebenbei wird man es schwer haben, nicht mitgerissen zu sein von der Abfolge an Hymnen für die Ewigkeit: „Acquiesce“, „Round Are Way“, „The Masterplan“. Die Fans singen jedes Wort mit, und wenn kein Gallagher mehr singt, singen sie weiter.

Allesamt B-Seiten übrigens – weiß irgendwer unter 20 eigentlich noch, was das ist? – , und Oasis hatten die besten aller B-Seiten. So war das mit den Lieblingsbands damals, so vor YouTube und Spotify: Jeder Singlekauf war ein Statement, jede B-Seite ein Argument – und jedes Konzert war ein Moment, den du für dich hattest, und der Rest der Welt konnte dich mal!

Oasis – Knebworth 1996, Dokumentarfilm, 110 min., im Kino

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.