Berlin - Fliegt man derzeit mit dem Flugzeug über das südliche Frankreich, dann kann man nachts – vorausgesetzt der Himmel ist nicht bedeckt – ein beeindruckendes Schauspiel beobachten. Passiert man etwa das Bordeaux, Chablis oder das Burgund mit seinen legendären Orten Musigny, Montrachet oder Mersault, gleitet man über ein akkurat in geometrischen Karrees angeordnetes glänzendes Lichtermeer.

Doch was aus einer Höhe von 10.000 Metern aussieht wie die neuste Installation von Christo und Jeanne-Claude ist eine Katastrophe für die Menschen unten auf der Erde. Ein Schaden, der in die zig Millionen Euro gehen kann. Denn bei den quadratischen Flecken handelt es sich nicht um Kunst, sondern um jahrtausendealte Weinberge.

Die gesamte Weinproduktion in den besten Weinlagen der Welt wird gerade von einem späten Wintereinbruch bedroht. Seit Tagen hagelt und schneit es bei Temperaturen von teilweise fünf Grad unter Null. Und der späte Frost der Eisheiligen bedroht die jungen Triebe von Spitzenlagen wie Romanée-Conti, Montrachet oder La Tâche. Das ganze Jahr werden die Reben von ihren Winzern wie ihre eigenen Kinder gehegt und gepflegt. Wenn alles gut geht, produzieren sie auf wenigen Quadratmetern manchmal kaum mehr als 4000 Flaschen pro Jahrgang, Die, so die Hoffnung – vorausgesetzt es handelt sich um einen guten Jahrgang –, einmal für Tausende von Euro in die ganze Welt verkauft werden sollen.

Um den drohenden Ernteausfall – im April 2016 verloren die Winzer im Burgund die Hälfte ihrer Ernte – zu verhindern, sind derzeit unzählige Arbeiter im Einsatz. Auf Tausenden Hektar entzünden sie alle paar Meter eine Fackel oder einen Heuballen um die Pflanzen vor dem tödlichen Frost zu schützen. Stundenlang halten sie Wache, verglüht ein Feuer, müssen sie sofort ein neues entzünden.

Im Chablis stellte etwa der Winzer Laurent Pinson mehr als 600 brennende Dosen mit Paraffin auf den 14 Hektar seiner Weinberge auf. Aber nicht nur das: Damit die Morgensonne nach einer kalten Nacht nicht die gefrorenen Triebe verbrennt, legen die Winzer schwelende Strohballen aus, um einen Schutz aus Rauch gegen die Sonnenstrahlen zu bieten. Sie installieren Heizungen und erzeugen Windtürme, damit sich die kalte Luft in Bodennähe mit der wärmeren Luft darüber mischt und die Temperaturen im Weinberg steigen. Ein Weingut geht sogar noch weiter. Das berühmte Château Pétrus bei Bordeaux setzte in den letzten Jahren sogar Helikopter ein.

Wagniskapital-Schwemme

Trotz Corona-Krise sind die Investoren weltweit im Kaufrausch. 125 Milliarden Dollar haben Start-ups auf der ganzen Welt im ersten Quartal schon eingesammelt. Zu diesem Ergebnis kommt das US-Analysehaus Crunchbase. Das ist ein neuer Rekord! Und 50 Prozent mehr als in den letzten drei Monaten des Jahres 2020 und fast doppelt so viel wie im ersten Quartal des vergangenen Jahres. Die Geldschwemme der Notenbanken lässt grüßen.

Im einst elitären Klub der Unicorns – das sind private Start-ups, die von Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden – wird es langsam so eng wie in einer Tokioer Metro. Pro Tag gesellten sich im Durchschnitt im ersten Quartal zwei Jungunternehmen mehr dazu. Neu im Bunde war zuletzt auch der Berliner Flash-Supermarkt Gorillas. Erst im März 2020 gegründet, sammelte der türkische Gründer Kagan Sümer im März 244 Millionen Euro ein. Das Start-up, das seinen Kunden verspricht, Lebensmittel in unter zehn Minuten an die Haustür zu liefern, war damit erstmals mehr als eine Milliarde Dollar wert.

Überhaupt, vor allem Berlin scheint vom Goldrausch der Venture-Capital-Fonds unter den deutschen Städten am meisten zu profitieren: Eine neue Analyse von PitchBook zeigt, dass Berlin die Funding-Hitliste der deutschen Städte mit weitem Vorsprung anführt. Im Jahr 2020 flossen 3,6 Milliarden Euro Venture Capital in die Hauptstadt und nur rund ein Viertel des Betrags nach München. Hamburg schaffte ein Fünftel der Berliner.

Insgesamt stiegen die Venture-Investitionen in Deutschland 2020 um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Und noch immer kommt der Großteil der Investitionen nicht aus Deutschland. Vier Milliarden flossen aus den USA nach Deutschland und finanzierten insgesamt 150 Deals.

Gefragt sind weltweit vor allem Firmen aus dem Gesundheitswesen, FinTechs, Mobility-Start-ups oder wie Gorillas aus dem Einzelhandel. Und natürlich Kryptowährungen. Blockchain-Start-ups sammelten im ersten Quartal mehr Geld ein als im gesamten Jahr 2020. Damit hat nun sogar Österreich ein Einhorn: Die Plattform Bitpanda, auf der Nutzer vor allem Bitcoins und Gold handeln können, ist nach der jüngsten Finanzierungsrunde über 170 Millionen Dollar angeblich 1,2 Milliarden Dollar wert.

Mehr Firmenpleiten im März

An den Iden des März: Nachdem die Zahl der Firmenpleiten bereits im Februar anstieg, hat die Anzahl der Insolvenzanmeldungen im März nochmals deutlich zugenommen. Insgesamt wurden für 870 Personen- und Kapitalgesellschaften die Insolvenz angemeldet. Das seien 20 Prozent mehr als im Vormonat, dies teilte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IHW) in einer Presseerklärung mit.

Seit Februar sei ein starker Anstieg bei den Insolvenzen von Kleinstunternehmen und Selbstständigen zu verzeichnen, so das IHW. Die 10 Prozent der größten Unternehmen, die im März ihre Insolvenz angemeldet haben, beschäftigen zusammen etwa 8000 Mitarbeiter. Damit liege die Zahl der betroffenen Jobs in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, aber auch deutlich unter den Höchstständen des vergangenen Sommers – eine breite und für die Gesamtwirtschaft relevante Insolvenzwelle sei in Deutschland noch nicht zu erwarten.

„Insolvenzen vieler Kleinstunternehmen sind aus ökonomischer Sicht oft weniger einschneidend als eine Handvoll Großinsolvenzen“, sagt der IHW Ökonom Steffen Müller. Dies gelte auch für die Lohnentwicklung, denn die Lohneinbußen seien bei Jobverlust in einem Großunternehmen besonders stark zu spüren. „In einer aktuellen Studie finden wir, dass die Lohnverluste nach einem Arbeitsplatzverlust stark von der Größe des insolventen Betriebs abhängen. Der Lohnabschlag verglichen mit dem alten Job ist für Entlassene aus Großbetrieben um ein Vielfaches höher als bei Menschen, die ihre Arbeit bei einem Kleinstunternehmen verlieren“, so Müller. Beschäftige bei Kleinstunternehmen verdienen vielen Fällen sogar mehr als zuvor, so das IHW.

Die Zahl der Firmeninsolvenzen liegt mittlerweile fast auf dem Vorjahreswert, obwohl die Pflicht zur Insolvenzanmeldung weiterhin ausgesetzt ist. Das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Corona-Pandemie im Insolvenzrecht galt zunächst nur bis zum 31. Januar 2021. Inzwischen wurde die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht jedoch bis Ende April 2021 verlängert – eine weitere Verlängerung gilt als wahrscheinlich. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht gilt nur für Unternehmen, deren wirtschaftliche Schieflage durch die Corona-Krise verursacht wurde und bei denen die Auszahlung der Corona-Hilfen die Insolvenzreife abwendet. Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter warnen die betroffenen Unternehmen vor Haftungsrisiken, die dadurch entstehen können, wenn die Gründe für die nicht erfolgte Insolvenzanmeldung nicht klar auf die Corona-Krise zurückzuführen sind.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo.