Die Maske, sie war immer wieder Thema auf der Berlinale: In einem südkoreanischen Film über eine Schriftstellerin mit Schreibblockade wird sie selbstverständlich über Mund und Nase geschoben, Juliette Binoche trägt sie als fremdgehende Ehefrau, sobald sie einen Raum mit fremden Menschen betritt – und im Film „Três tigres tristes“ aus Brasilien zieht sich irgendwann eine Frau eine gold glänzende Maske vors Gesicht. Nur noch ihre Augen lächeln dann.

Die Berlinale markierte vor zwei Jahren den Beginn der Corona-Pandemie – jetzt stehen alle Zeichen auf Öffnung. Auch wenn uns die Masken noch einige Zeit erhalten bleiben werden (nicht nur im Kinosaal), habe ich mit meinen Kolleginnen recherchiert, inwiefern die Rücknahme der Maßnahmen gerechtfertigt ist (Seiten 4/5). Auf jeden Fall hat die Pandemie auch Einfluss auf unsere Berlinale-Berichterstattung gehabt: Unsere Filmredakteurin Claudia Reinhardt hatte nur wenige Tage vor der Pandemie einen positiven Test zu verkraften. Nachdem sie schon vergangenes Jahr die Berlinale digital zu Hause besuchte, tat es ihr schon sehr weh, dieses Mal ein Quarantäne-Festival zu feiern. Auf Seite 17 unserer aktuellen Wochenendausgabe zieht sie ein persönliches Fazit und verrät, warum 2022 ein gutes Filmjahr verspricht. Auf den Seiten davor erzählen wir, welche Filme uns besonders aufgefallen sind.

Linke polnische Positionen

An diesem Samstag jährt sich zudem das rassistische Attentat von Hanau. Am 19. Februar 2020 erschoss ein Mann neun Menschen. Ein Gutachten zeigte, dass einige von ihnen überlebt hätten können, wäre der Notausgang nicht verschlossen gewesen. Wir haben Autorinnen und Autoren wie Asal Dardan, Shida Bazyar und Deniz Utlu gefragt, wie wir Hanau heute gedenken können, damit Erinnerung nicht formelhaft bleibt, sondern wirksam wird und Konsequenzen hat. Auf den Seiten 11 bis 13 haben sie geantwortet. Der Russland-Ukraine-Konflikt hat sich in dieser Woche weiter zugespitzt. Im Internet wurde viel zu viel über zu lange Tische gesprochen – und gelacht.

Wir erzählen Ihnen, welche Schritte in dieser Region noch zu erwarten sind und was das mit dem Ende der Olympischen Spiele zu tun hat (Seite 8). Der Blick auf diesen Konflikt ändert sich bekanntlich mit der Position, in der man sich befindet. Die polnische Linke beispielsweise schaut ganz anders darauf. Auf Seite 30 erzählen Mitglieder einer linken polnischen Partei ihre Sicht. Es sind stürmische Zeiten. Für das Wochenende hat sich ein weiterer Sturm angekündigt. Passen Sie auf sich auf und schicken Sie gern Ihre Kritik an uns (briefe@berliner-zeitung.de).

Ein schönes Wochenende wünscht Sören Kittel, Leitender Redakteur

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.