Berlin - Es hört sich völlig bescheuert an, aber merken Sie sich auf keinen Fall Ihre Passwörter! Vor allem nicht, wenn es sich um Ihr Krypto-Wallet (eine Geldbörse für digitale Währungen) handelt. Denn das könnte Sie richtig reich machen. Mir ist das unfreiwillig passiert, als ich im Jahr 2018 Dogecoins kaufte.

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Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 22. Mai 2021 im Blatt: 
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Dabei handelt es sich um eine Kryptowährung wie Bitcoin, nur dass sich die beiden zueinander verhalten wie das Schauspieltalent von Til Schweiger zu dem von Anthony Hopkins. Dogecoin ist eine besonders lächerliche Kryptowährung, die als Parodie – zwei amerikanische Techies schufen die Kryptowährung mit dem Konterfei der japanischen Hunderasse Shiba in einem Adobe-Programmierer – startete und unter ihren Käufern einen gewissen Kultstatus erreichte.

Ich hatte sie nur gekauft, weil ich mit meiner Frau zusammen ein Buch über verschiedenste Versuche schrieb, reich zu werden. Wir gruben auf einem Acker nach Gold, machten am Flughafen bei Kofferversteigerungen mit und stiegen bei Dogecoin ein. Nachdem die Kryptowährung gekauft war, hatten wir sie praktisch schon wieder vergessen. So vergingen zweieinhalb Jahre, bevor ein Freund mich auf einen Tweet von Elon Musk hinwies. Er empfahl Dogecoins und machte das in den folgenden Monaten immer wieder.

Unser Investment hatte sich durch ihn von 50 Euro auf einen Wert von 800 Euro erhöht. Wunderbar! Wir entschieden also, es abzuheben und uns über diesen beachtlichen Zugewinn von 1500 Prozent zu freuen. Doch es gab ein Problem. Ich hatte die Zugangsdaten zum Konto nicht mehr. Ich hatte mir nie die Mühe gemacht, sie zu notieren. Warum auch? Es war schließlich nur eine Satirewährung gewesen, die digitale Alternative zum Abfackeln von Euro-Scheinen. Also gab ich recht schnell auf, ohne zu ahnen, dass sich dieses Aufgeben noch richtig lohnen sollte.

Im April 2021 meldete sich besagter Freund wieder. Ob ich mitbekommen hätte, dass Dogecoin durch die Decke gegangen sei. Ja, natürlich, log ich. Tatsächlich war der Kurs wieder um sagenhafte 15.000 Prozent gestiegen. Plötzlich waren meine Dogecoins über 10.000 Euro wert. Ich begann danach die gründlichste Suche meines Lebens. Ich probierte längst vergessen geglaubte Passwörter aus, durchforstete E-Mails, SMS-Accounts und jeden anderen Messenger-Dienst und arbeitete Hefte, Blöcke und Notizen so gründlich durch, als sicherte ich einen Tatort.

All das ohne Erfolg. Die Dogecoins waren nah und doch unerreichbar fern. Bis mir einfiel, dass ich mir zwischenzeitlich ein anderes Notebook zugelegt hatte. Also wurde das alte aus dem Keller geholt und angemacht. War ich verantwortungslos genug gewesen, die Zugangsdaten nicht vom Gerät zu löschen? Große Erleichterung als feststand: Ja, war ich! Sogar so sehr, dass ich damit jetzt Geld verdiente. Wobei man so etwas in einem Bewerbungsgespräch wohl nicht als besondere Stärke erwähnen sollte.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.