Berlin - Ein populäres Meme, das einem in den sozialen Netzwerken immer wieder in den Feed gespült wird, zeigt eine zähnefletschende Britney Spears, wie sie mit einem Regenschirm auf ein Paparazzo-Auto einschlägt. Dazu die Caption: „Britney survived 2007, you can handle today.“ Also: „Britney hat 2007 überlebt, also wirst du wohl auch die nächsten 24 Stunden überstehen.“ 

2007 war wirklich ein schreckliches Jahr für den Popstar. Britney Spears ließ sich von ihrem damaligen Ehemann Kevin Federline scheiden und verlor daraufhin das Sorgerecht für ihre Söhne. Ihre Tante, der sie sehr nahestand, verlor sie an Krebs. Mehr als einmal musste sich Britney Spears in Drogenkliniken auf Entzug begeben – mal für einen Tag, mal für mehrere Wochen. Immer wieder hieß es, dass sie bei Auftritten berauscht sei. Aus dieser Zeit ist ein Moment besonders in Erinnerung geblieben: Britney Spears mit kahl rasiertem Schädel.

Spears‘ Probleme rissen nicht ab. Sie wurden zu Pointen in amerikanischen Late-Night-Shows. Außerdem folgte eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Wie kam es dazu? Und wie geht es ihr jetzt? Die neue Dokumentation „Framing Britney Spears“, produziert von der New York Times, liefert ein paar Antworten. In Deutschland startet der Film nun bei Amazon Prime.

Leid als Entertainment für die Massen

Die Macher von „Framing Britney Spears“ nehmen sich Britney Spears‘ gesamte Karriere vor, von ihren Anfängen als Teenie-Idol bis hin zum weltweiten Megastar. Mehr als einmal erschrickt man bei der Sichtung des Films: Zum Beispiel wenn ein Moderator Spears unangebrachte Fragen zu ihrem Beziehungsstatus stellt – im Clip ist sie noch ein kleines Mädchen. Oder etwa bei einem Interview mit Diane Sawyer, in dem Spears vorgeworfen wird, „Mütter in ganz Amerika“ durch ihre übersexualisierten Musikvideos zu verärgern.

Kendall Ehrlich, die damalige First Lady von Maryland, droht Britney sogar, sie zu erschießen. Geradezu erschreckend ist ein Clip aus der Show „Family Feud“, in der eine Kategorie den Titel trägt: „Was hat Britney dieses Jahr alles verloren?“. Ihre Ehe, ihre Haare und so weiter. Leid als Entertainment für die Massen, auf Kosten von Spears‘ Gesundheit.

Die Aktion #FreeBritney

Der fast schon geierhafte Umgang der Medien mit Spears ist ernüchternd und erschreckend. Wesley Morris drückt es so aus: „In Amerika haben wir keine Royals, wir haben berühmte Menschen.“ 

Doch das ist nur die eine Seite. Die zweite, weitaus verstörende Facette von „Framing Britney Spears“ ist das Thema der Vormundschaft. Nach ihrem kompletten Zusammenbruch entschied ein Gericht 2008, dass die Vormundschaft an Britneys Vater geht. Seither verfügt er über ihre Finanzen.

Eine von Fans und Aktivisten ins Leben gerufene Hashtag-Kampagne #FreeBritney setzt sich nun für Britneys Rechte als erwachsene Frau ein. Seit Jahren wird gegen ihren Vater als auch gegen die Vormundschaft protestiert. Doch die Sache ist nicht einfach: Zwar hat Spears den Wunsch geäußert, dass ihr Vater nicht mehr ihr Vormund bleibt. Zugleich hat sie aber nie konkret gesagt, die Vormundschaft generell beenden zu wollen. Auch diesen Widerspruch leuchtet die Dokumentation auf faszinierende Weise aus.

Die Doku „Framing Britney Spears“ startet am 5. April (Ostermontag) bei Amazon Prime

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo.