Im letzten Dortmunder „Tatort“ hatte das Dortmunder Kripo-Team tatsächlich mit Corona-Masken agiert. Der aktuelle Fall heißt nun „Masken“ und wurde im Spätsommer 2020 gedreht, unmittelbar nach der vorigen Ausgabe. Doch Covid-19 spielt diesmal keine Rolle. Die hier gemeinten Masken müssen alle Teilnehmer beim Vortrag eines „Pick-up-Artisten“ aufsetzen. Das ist nicht etwa ein Künstler, der auf der Ladefläche eines Pick-ups herumhüpft – unter „Pick-up“ wird hier das „Mitnehmen“, „Aufreißen“ und „Flachlegen“ von Frauen verstanden. Der Vortragskünstler, ein arroganter Zahnarzt (Simon Böer), erklärt biologistisch, warum er angeblich schon 700 Frauen zur Beute gemacht hat: „Der Löwe frisst, wenn er Hunger hat!“

Nach neun Jahren endlich eine Affäre

Mit dem Thema Machokult und Frauenhass hatte erst vor einem halben Jahr der Kieler „Tatort: Borowski und die Angst der weißen Männer“ gespielt. Wie ihr Kollege begeben sich diesmal Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann) unter eine dumpf grölende Männermeute, der eingehämmert wird, sie wäre vom Feminismus „entmannt“ worden. Der Grund für die Recherchen: Das Mordopfer, ein Streifenpolizist, der mit dem eigenen Auto überfahren wurde, gehörte zu den führenden „Pick-up-Artisten“. Der Kerl hielt jede neue Eroberung im Video fest – und weckte damit Anlass für Dutzende Eifersuchtsdramen und Rachegelüste.

Dass der „Tatort“ mit dem plumpen und vorgestrigen Männlichkeitsgehabe abrechnet, ist keine Überraschung. Leider verrät die Story von Arnd Mayer und Claudia Matschulla auch ihre Auflösung unnötig früh. Statt Spannung bietet der Dortmunder Krimi der Regisseurin Ayse Polat diesmal eher amüsante Unterhaltung, nämlich wenn die Kommissare nach guter alter „Tatort“-Sitte den Mordfall im Privaten spiegeln und ihre Beziehungsfähigkeiten austesten. So kommen sich die Jung-Kommissare Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) und Jan Pawlak (Rick Okon) näher, die Gerichtsmedizinerin (Sybille J. Schedwill) wurde vom ermordeten Polizisten gar beim Sex gefilmt. Bönisch und Faber gehen eine eigenartige Dreiecksbeziehung mit der Chefin des Toten (Anne Ratte-Polle) ein, die mit Bönisch einst auf der Polizeischule lernte – und der sonst so miesepetrige, mitunter zynische Kollege Faber darf nach neun Jahren „Tatort“-Dienst sogar erstmals eine Affäre haben, ganz ohne Machogehabe.

Wertung: 3 von 5 Punkten

Tatort: Masken, So., 28. 11., 20.15 Uhr, ARD

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