Berlin - Die Dresdner Oberkommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) hat so starke Schmerzen, dass sie kaum aus dem Dienstwagen steigen kann, ihre Kollegin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) muss einen flüchtigen Verdächtigen allein festnehmen. Die Ärzte finden keine Ursache. Kurz darauf stirbt eine junge Kellnerin nach Schmerzattacken, die der Gerichtsmediziner ebenfalls nicht erklären kann. „Ist das ein Zufall?“, fragt Gorniak. Natürlich nicht!

Dass Kommissare selbst ins Visier von Tätern geraten oder die Leiden der Opfer selbst durchleiden müssen, ist ja seit jeher ein beliebtes Muster von Drehbuchautoren. Nicht zum ersten Mal trifft es diesmal Gorniak – Karin Hanczewski darf schon wieder so schön schmerzverzerrt gucken. Diesmal bekommt sie nicht nur merkwürdige Videos zugespielt, sondern muss sich auch noch mit dem Auszug ihres knapp 18-jährigen Sohns auseinandersetzen und tobt sich mit dem Baseballschläger in einem „Wutraum“ aus, der so klinisch weiß wirkt wie in einem Science-Fiction-Thriller. Die Wissenschaft gerät schnell ins Visier der Dresdner Polizisten. Der Ex-Freund der toten Kellnerin (Christian Friedel) arbeitet in einem Labor, wo er mit dem Mess-Schieber tote Ratten vermisst, wo aber auch an neuartigen „Nanobots“ geforscht wird.

„Unsichtbar“ hält nur in der ersten Hälfte die Spannung

Diese Mini-Teilchen können Menschen schmerzunempfindlich machen – oder höllische Schmerzen auslösen. Nachgewiesen werden können diese Moleküle aber kaum, wie die umtriebige Laborärztin (Anna Maria Mühe) den Kommissaren erklärt. Das Drehbuch von Michael Comtesse reitet hier auf einer wissenschaftsskeptischen Welle, die im Thriller-Genre gang und gäbe und zu Corona-Zeiten noch populärer geworden ist: Forscher schrecken vor nichts zurück, kreieren tödliche Waffen und haben meist einen an der Waffel. Doch weder dieses Muster noch die Idee mit der bedrohten leidenden Kommissarin ist besonders originell.

Regisseur Sebastian Marka spielt gern mit Rückblenden und Zeitschlaufen, hat aber schon weitaus raffinierter konstruierte „Tatorte“ in Szene gesetzt. „Unsichtbar“ hält nur in der ersten Hälfte die Spannung, während die elektronisch knarzende Filmmusik die Schmerzen in die Ohren der Zuschauer transportiert. Gegen Ende entwickelt sich „Unsichtbar“ zum Trash-Thriller an der Grenze zum Peinlichen – und das tut dann wirklich weh!

Wertung 2 von 5 Punkten

Tatort: Unsichtbar, Sonntag, 17. 10., 20.15 Uhr, ARD

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