Hongkong - Für Brandon Tai ist der Job, den er seit 30 Jahren macht und liebt, nicht mehr derselbe. Denn die Inhalte, die der Lehrer über seine Laufbahn erlernt und erprobt hat, darf er zum Teil nicht mehr weitergeben. „Heute bereite ich Lehrmaterialien für meinen Unterricht vor“, erzählt er mit besorgter Stimme per Videogespräch. „Darin geht es um die Wirtschaftsgeschichte von Hongkong und Festlandchina. Bisher war unser Verständnis so: In den 80er-Jahren, als sich Chinas Wirtschaft öffnete, kam aus dem wohlhabenderen Hongkong wichtige Unterstützung.“

Aus Hongkong wurden etwa Fachkräfte und Lehrer rübergeschickt, die die Menschen dort beim Aufbau einer liberalen Marktwirtschaft begleiten sollten. Der neue Lehrplan aber wünsche einen anderen Blick auf die Geschichte. Das Narrativ ist umgedreht. „Da steht jetzt, Hongkong sei erst durch Investitionen aus China zu dem Finanzzentrum geworden, das es heute ist.“ Die Lehrer wissen, so Brandon Tai, „dass das völlig absurd ist. Aber das ist, was sie von uns erwarten. Es ist eine Art Gehirnwäsche für die Schüler.“

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