Berlin - „Fakten, Fakten, Fakten und an die Leser denken“ so lauten die mahnenden Worte des Focus-Chefredakteurs Helmut Markwort an seine Redaktion und auch der Autor dieser Zeilen, möchte sich daran halten. 

Also die Fakten zuerst: Jäger & Lustig ist ein Biergarten in Friedrichshain, der halbe Liter Bier kostet dort 4,20 Euro, preisbewusste Trinker bestellen eine Maß und zahlen dafür 6,90 Euro – auf lange Sicht rechnet sich das. Die WHO empfiehlt zwar nicht mehr als zwei kleine Gläser Bier pro Tag zu trinken, aber wer über ein halbes Jahr im Lockdown auf seine Gesundheit geachtet hat, darf diesen Serviervorschlag ausnahmsweise ignorieren. Und da wären wir beim Leser: Die meisten Berliner sind noch nicht vollständig geimpft, ein Restaurantbesuch ist deshalb regelmäßig an einem Schnelltest geknüpft, da erweist es sich als äußerst praktisch, dass sich direkt neben dem Biergarten ein Testzentrum befindet. Die 15 Minuten Wartezeit kann man sich mit einem Blick über die große Karte wunderbar vertreiben – soll es etwas Größeres sein oder doch nur einen kleiner Snack zum Bier?

Berliner Verlag/Stephanie F. Scholz
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 29. Mai 2021 im Blatt: 
Was passiert in Belarus? Warum riskiert Alexander Lukaschenko jetzt alles? Die große Analyse zum Belarus-Konflikt

Vonovia fusioniert mit Deutsche Wohnen. Was das für die Berliner Mieter bedeutet

Wo landet unser Müll? Wahrheiten und Mythen übers Recycling

Die großen Food-Seiten: Eines der besten chinesischen Restaurants liegt wohl in Schöneberg. Und: Ein Kreuzberger Sommelier tischt auf

https://berliner-zeitung.de/wochenendausgabe

Schon zu DDR-Zeiten befand sich in den Räumen eine HO-Gaststätte, die auf Wild aus dem Thüringer Wald spezialisiert war. Sie ahnen es bereits, beim Autoren handelt es sich um einen notorischen Wessi, aber auch er schätzt hier die historische Kontinuität, denn Wild-Spezialitäten werden auch heute noch serviert. Und da wären wir schon beim Essen, in mühevoller Kleinarbeit hat sich der Autor durch die Karte gekämpft und hat dabei nicht mal die Hälfte geschafft, deshalb nur ein Ausschnitt: Das Schnitzel ist goldbraun und knusprig – ausgezeichnet!

Die Wildwürstchen könnten etwas schärfer angebraten sein, aber das ist sicher Geschmackssache. Besonders gut sind wie so oft die unscheinbaren Gerichte, wie der Hackepeter: Das Tatar des kleinen Mannes wird zusammen mit einer Spreewaldgurke, gehackten Kapernäpfel, roten Zwiebeln und Altberliner Krustenbrot frisch serviert. Die Bedienung ist freundlich und schnell. Wer endlich mal wieder ein frischgezapftes Bier in Freiem trinken will und dabei vor rustikaler Küche nicht zurückschreckt, wird in Jäger & Lustig deshalb sehr schnell, sehr glücklich werden. An sonnigen Tagen füllen sich die Tische im Biergarten oft schon am frühen Nachmittag, es lohnt sich daher rechtzeitig zu reservieren. Prost! 

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Jäger & Lustig, Grünberger Str. 1, 10243 Berlin, Montag bis Sonntag: 12.00 – 23.00 Uhr

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.