Berlin - In der Paris Bar in der Kantstraße isst man zwar nicht besonders gut, aber das Restaurant ist immer noch eine Institution. Hier hängt und trifft sich die Kunst der Stadt. Martin Kippenberger war Stammgast. Wenn auch in die Jahre gekommen, ist die Paris Bar eine organisch gewachsene Legende. Für einen anderen Ort der Stadt, das Borchardt in der Französischen Straße, gilt das hingegen nicht. Denn das sterile Restaurant – der Lieblingsplatz der Politiker und C-Promis wie Wilson Gonzales Ochsenknecht – ist nichts Gewachsenes, sondern der gescheiterte In-vitro-Versuch, nach der Wende an die glorreiche Vorkriegsvergangenheit des Lokals anzuknüpfen.

Deswegen verzeiht man dem Wirt hier auch weniger als in der Paris Bar. Das Schnitzel etwa, das mit Abstand beliebteste Gericht im Borchardt, schmeckt nicht nach Wien, sondern wechselt den Aggregatzustand der Panade beim Erkalten innerhalb von Sekunden von knusprig in den Zustand eines alten Waschlappens. Man kann nur hoffen, dass etwa Johnny Depp, George Clooney oder Matt Damon, um nur einige internationale Gäste des Lokals zu nennen, gar nicht so genau wussten, wie so ein Schnitzel eigentlich schmecken soll. Ich frage mich sowieso, wie sich der Ort – das Borchardt ist gefühlt im Jahr 1999 stehen geblieben – so lange als go-to place halten kann.

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