Uckermark/Berlin - Ungewöhnlich kühl war es in den vergangenen Wochen. Dadurch verlängert sich die Zeit, in der wir problemlos Pflanzen teilen und neu anpflanzen können, noch bis in den Mai hinein. Sobald die frischen Frühlingstriebe sichtbar werden, ist dafür nämlich eine besonders gute Zeit.

Mich selbst verleitet oft die Ungeduld dazu, schon im Spätwinter mit dem Teilen zu beginnen – dabei ist diese Prozedur im Frühjahr nicht nur witterungsbedingt einfacher. Die Pflanzen wachsen dann auch unbekümmert weiter, ganz so, als wäre nichts geschehen. Was daran liegt, dass genau jetzt die Wachstumsprozesse durchstarten und Verletzungen (und nichts anderes ist das Teilen) leichter ausgeglichen werden können. Besonders in einem regenreichen Frühling – und den haben wir ja.

Eine Reihe von Pflanzen muss regelmäßig geteilt werden, weil sie sonst ihren gesamten Habitus oder die Blühkraft einbüßen. Dazu gehören solche, die nahe dem Stamm oder Stengel verkahlen, wenn man sie nicht teilt. Im Prinzip bilden diese Pflanzen kurze neue Ausläufer oder Triebe nach außen, während sie in der Mitte leer bleiben. Das ergibt dann unschöne „Ringe“.

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Wie zarte Schleier wehen die Gräserköpfe über dem Beet.

Oder die Horste (Sprossbüschel, eine sich auch seitlich ausweitende Pflanzenwuchsform, d. Red.) werden einfach zu groß, wie das bei vielen Astern der Fall ist. Zwei bis drei Jahre nach der Neupflanzung kann man diese oft schon teilen. Deshalb gibt es auch die vielen privaten Staudenmärkte oder -basare, denn oft weiß man einfach nicht, wohin mit den großen Überbleibseln. Kleinere Pflanzen eignen sich ja gut als Mitbringsel für Freundinnen und Freunde; aber wer möchte schon mit einem Fünf-Kilogramm-Asternhorst ankommen, wenn man sonntags eingeladen ist.

Bei Gräsern muss mitunter sogar die Säge ran 

Astern jedenfalls lassen sich recht gut und einfach teilen. Meistens reicht es, von oben oder von der Seite einen glatten Schnitt mit dem Spaten auszuführen. Bei großen Gräsern sieht das schon anders aus. In meinem Garten gab es schon Situationen, in denen Säge oder Beil ran mussten – anderfalls wäre da nichts zu machen gewesen. Das Hohe Pfeifengras (Molinia arundinacea „Transparent“) ist so ein Kandidat. In den ersten Jahren in meinem Garten konnte ich gar nicht genug haben von dem spinnwebartigen Schleier. Durch seine 1,80 Meter hohen Blütenstände überzieht das Gras damit im Spätsommer den ganzen Garten, also habe ich es fortwährend geteilt. Besonders nach einem Regenschauer macht das einen unvergesslichen Eindruck.

Da es sich allerdings sehr gerne selbst aussät (worüber ich die ersten fünf Jahre so entzückt war, dass ich es überall herumstehen ließ), musste ich es irgendwann doch roden. Leider hatte ich sämtliche Warnungen übersehen, dass dies beim Pfeifengras zu den schwierigsten Übungen gehört. Chinaschilfe (Miscanthus sinensis) verlangen ebenso oft nach roher Gewalt. Bei ihnen kommt außerdem hinzu, dass man auf die Optik achten sollte: Teilt man die Schilfe einfach mittig durch, entstehen eher zwei Halbkreise denn Horste in ihrer typischen, runden Form. Um zu vermeiden, dass die gerade Teilungsstelle lange sichtbar bleibt, sollte man schon beim Zerteilen organische Formen für die zwei Hälften ansteuern.

Deutlich leichter lassen sich kleinere Stauden teilen, bei denen es deshalb auch mehr Spaß macht. Bei den am letzten Wochenende an dieser Stelle erwähnten Bodendeckern zum Beispiel lässt sich außerdem jede Menge Geld sparen: Meine 50 Primeln, die ich in neue Beete gesetzt hatte, konnte ich nach nur zwei Jahren schon verdreifachen. So kann jede Lücke, auch in älteren Beeten, mit ihren fröhlich nickenden Blüten geschlossen werden. Auch Lungenkräuter (Pulmonaria officinalis), von denen ich meist nur ein paar verschieden gepunktete oder silbrig-blättrige Exemplare kaufe, um zu schauen, ob sich die Blattmaserung bei mir bewährt, kann ich jetzt vermehren.

Spaten weg von Pfingstrosen, Iris und Akelei

Ausgeschlossen von Teilungen zu dieser Zeit sind hingegen alle schon im Frühsommer blühenden Stauden wie Pfingstrosen oder Schwertlilien. Auch Pflanzen wie die Akelei, die einzelne Pfahlwurzeln ausbilden, kann man nicht so einfach teilen. Glücklicherweise säen sich viele von ihnen sehr gerne selbst aus, sodass Teilung gar nicht notwendig ist.

Deshalb meine Empfehlung: Nur an die Pflanzen rangehen, die entweder gerade austreiben (dazu zählen die meisten, die im Spätsommer oder Herbst blühen), oder an im Frühling blühende Stauden, die gerade in der Endphase ihrer Blüte angekommen sind. Dieser Logik folgend kann man auch Zwiebelpflanzen wie Märzenbecher (Leucojum vernum) oder Schneeglöckchen (Galanthus) am Ende ihrer Blütezeit besonders gut teilen und umsetzen.

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Der hübsche Schlangen-Knöterich überzeugt nicht nur mit seinem lustigen Namen.

Auch der Schlangen-Knöterich (Bistorta officinalis) lässt sich genau jetzt hervorragend vervielfachen. Die Knollen können leicht einen halben Quadratmeter Platz einnehmen, sodass das Prinzip „Teile und herrsche“ hier wirklich gilt. Oft brechen sie schon von selber auseinander, sobald man sie mit dem Spaten aus der Erde hebt – ansonsten hilft man eben etwas nach.

Die Grundregel bei Teilungen ist also: Am besten erst beim Neuaustrieb der Pflanzen zum Spaten greifen oder nachdem sie geblüht haben. (Schwertlilien übrigens sollte man nach der Blüte ohnehin entnehmen, nach möglichem Krankheitsbefall an den Knollen suchen und das Stück im Fall der Fälle entfernen). Ansonsten sollte beim Teilen darauf geachtet werden, dass jedes Teilstück gut mit Wurzeln versorgt ist, damit es rasch wieder anwachsen kann. Und nach Möglichkeit nicht bei Hitze und Trockenheit loslegen, sondern idealerweise auf eher kühle, feuchte Witterung warten.

Ohnehin gibt es nichts Schöneres, als Pflanzen dann neu zu setzen, zu teilen und neu im Garten zu verteilen, wenn man ziemlich sicher sein kann, dass die Folgetage regnerisch werden. Des Gärtners einziger Trost in diesem bislang erschütternd wenig sonnigen Frühjahr.


Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.