Berlin - Laut einer großen Versicherung ist die Anzahl der Unfälle in deutschen Haushalten mit tödlichem Ausgang doppelt so hoch wie im Straßenverkehr. So weist das Statistische Bundesamt für das vorletzte Jahr mehr als 10.000 Tote durch Haushaltsunfälle aus. Das war bislang immer ein willkommenes Argument für mich, meine Fenster entweder gar nicht oder nicht selbst zu putzen. Ich sehe mich einfach nicht im fünften Stock aus dem Fenster hängen, um eine doofe Statistik zu bereichern, weil ich in Folge im Innenhof auf dem Pflaster aufgeschlagen bin.

Doch eigentlich war ich auch immer nur zu faul, denn ich habe – um mit Anke Stelling zu sprechen – bodentiefe Fenster und davon auch noch recht viele, obwohl meine Wohnung nicht groß ist. Vergangenes Jahr engagierte ich einen Fensterputzer, der zwar einen angemessenen Preis für Fläche und Dauer berechnete, im Ergebnis seiner Arbeit aber zu wünschen übrig ließ: Als die Sonne auf die Glasflächen schien, zeigten sich überall Schlieren. So kann ich das auch und putze nach. Von einem gänzlich untypischen Ehrgeiz, was meinen Haushalt betrifft, machte ich mich, bewaffnet mit einem Glasreiniger und Küchenrolle ans Werke und hat im Nu alle Fenster eingesprüht und gewienert. Das Ergebnis? Die Scheiben waren immer noch schlierig. Fensterputzen ist eine Kunst, für die man eine zwanghaft reinliche Ader braucht, meine Mutter polierte mit Zeitungspapier nach, böse Zungen behaupteten, dass sie alleine aus diesem Grund ein Tageszeitungs-Abonnement behielt, und die Scheiben waren danach so sauber, als ob sie gerade eingesetzt worden wären. Eine höllische Plackerei, der ein Einseifen aller Flächen und das Reinigen mit klarem Wasser vorausging.

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