Wer kennt es nicht? Man sitzt beim Frisör und die Situation bekommt etwas Intimes. Plötzlich erzählt man Dinge aus seinem Leben, die man sonst nicht einmal seinem Partner anvertrauen würde. Die Frisörin oder der Frisör nickt eifrig, der Fön bläst, es riecht nach Farbe und nassen Haaren. Danach fühlt man sich wie neu und hat das Geld für eine weitere Therapiesitzung gespart. Die Reality-Show „Waschen, Schneiden, Leben!“ erweitert das Ganze in einem Kölner Frisiersalon noch um ein bisschen Kosmetik und Styling.

Neuer Look, neues Leben?

Je drei Männer und Frauen bekommen pro Folge einen neuen Look verpasst und erzählen aus ihrem Leben, Coiffeur Hamid und Friseurin Jule hören brav zu und kommentieren zurückhaltend. Manchmal wird es unfreiwillig komisch, wie eigentlich bei jedem Friseurbesuch, wenn Sätze fallen wie „Du siehst dich schon eher im lockigen Bereich?“. Es werden Hände abgeklatscht und viele Anglizismen verwendet, alle sind recht woke und das Klientel divers, vom Theologiestudenten über die junge Mutter eines Säuglings mit Downsyndrom bis hin zur Neurodermitis-Patientin lassen sich hier alle in die Haare fahren und interessanterweise sehen alle im Anschluss wirklich besser aus als zuvor.

Das Entertainment-Konzept Makeover funktioniert hier mal wieder zuverlässig als Sendeinhalt, etwas mehr Drive und ein besser ausgeleuchtetes Set hätten dem Vierteiler allerdings ganz gut getan, oft fühlt man sich an die Kulisse der ebenfalls in Köln produzierten „Lindenstraße“ erinnert. Darüber hinaus ist die kleine Serie grundsympathisch, ordentliche Unterhaltung während einer Tasse Kaffee und einem Keks. Für die Abendgestaltung indes nur tauglich, wenn man sich den ganzen Tag schon aufgeregt hat.

Wertung: 3 von 5 Punkten

Waschen, Schneiden, Leben - Mein neues Ich, Reality-Serie, Mo-Fr, 17.45 bei ZDFneo und in der ZDF-Mediathek

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Am 13./14. November 2021 im Blatt: 
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