1. Acne Studios: Auf ein Tässchen Kaffee

Das schwedische Superbrand, das Berlin-Mitte zum Ende der 90er-Jahre mit ziernahtfreien Röhrenjeans versorgte, ist heute eine feste Größe im gehobenen Modesegment. Neben den zunehmend expressiver werdenden Acne-Kollektionen, die auf der Paris Fashion Week gezeigt werden, droppt das Team um den Kreativdirektor Jonny Johansson jedoch weiterhin skandinavische Basics. So umfasst die sogenannte „Face Collection“ unter anderem T-Shirts, Sweatshirts, Jacken und Shorts  – und erfreut mit dem niedlichen viereckigen Gesicht nicht nur die Fans der ersten Stunde.

Gestalterische Leitthemen der aktuellsten Face-Kollektion, die Anfang Mai gelauncht wurde, sind verwaschene Karos und Basketball-Optik. Neu ist jetzt, dass sich diese Muster auch auf Geschirr wiederfinden. Die Edition beinhaltet zwei Sets, bestehend aus Tasse und Untertasse. Die grobschlächtige Keramik wurde jedoch nicht von Kinderhand geformt, sondern von der Künstlerin Betina Jørgensen. Seit sie ihre Marke Bettunika 2020 ins Leben rief, werden die Einzelstücke mit infantiler Aura nicht nur im Internet bejubelt. Das inspirierte Acne Studios wohl zu dieser Kooperation, deren Ergebnis wir jetzt käuflich erwerben können. 

Die handgeformten Einzelstücke sind auf ungefähr 100 Stück limitiert, heißt es bei Acne. Die Sets kosten 190 Euro und sind über den Onlineshop erhältlich. Sabine Röthig

Acne Studios
Potenzielles Sammlerstück? Die Acne-Tasse samt Verpackung. 

2. Vetements: Burger in der Logo-Pappe

Offenbar ist es nicht egal, wer das Gürkchen auf das Patty legt. Am Vetements-Burger arbeiten nur echte Fachleute: Er wird „mit den hochwertigsten Zutaten von ausgebildeten Handwerkern hergestellt“, so zumindest meldet es die Über-Marke. Nun mag man sich fragen, wie viel Ausbildung und Handwerk nötig sind, um Hamburger-Brötchen, Veggie-Patty und Salat-Allerlei fachgerecht zu stapeln – dem Modefan aber ist das womöglich eh egal.

Burger, Fritten, Kaltgetränk, und darauf kommt’s hier an, werden in Pappschachteln und -bechern mit All-Over-Logo-Print serviert. Und die sehen so dermaßen instagramtauglich aus, dass man das Reinbeißen glatt vergessen könnte. Trotzdem schade, dass Probieren vorerst nur in Moskau möglich ist: Vor etwa einem Monat stellte Vetements sein Fast-Food-Menu in Kooperation mit dem russischen Concept Store KM20 vor, dem ein eigenes Restaurant angeschlossen ist.

Berliner müssen deswegen trotzdem nicht die nächstbeste, gänzlich fashionfreie Fettbombe bei irgendeiner Kette bestellen. Unter dem Hashtag #vetementsburger veröffentlicht das Label auf Instagram seit kurzem nämlich nicht nur Fotos vom Menü, sondern auch einen Aufruf: Man möge die Stadt darunter taggen, in der man sich den nächsten Launch des Burgers wünscht – Vetements wäre eben nicht Vetements, wenn eine globale Verbreitung nicht längst geplant wäre.

Mit umgerechnet rund zehn Euro übrigens gibt sich der Burger in Moskau für Vetements-Verhältnisse recht günstig – da wär ja fast noch ein Aeroflot-Flugticket drin! Wem das dann doch zu crazy ist, dem bleibt nur: taggen und hoffen, dass der Burger in die Heimatstadt kommt. Manuel Almeida Vergara

Artur Miller
Meanwhile in Moscow: Artur Miller, Influencer und Fotomodell, hat den Vetements-Burger schon probiert.

3. Richert Beil: T-Shirts auf Bestellung

Eine Pizza über Wolt zu bestellen, hat ja den Vorteil, dass diese im besten Fall binnen einer halben Stunde heiß und knusprig an die Haustür kommt. Wie wäre es jedoch, wenn sich in der Pizzaschachtel ein T-Shirt befände? Schon originell, denn so fix liefert kein normaler Onlineshop.

Fünf T-Shirts und Tanktops des Berliner Designer-Duos Richert Beil kann man sich jetzt auf diese Weise liefern lassen. In eigens designten Pizzaschachteln kommen die Oberteile mit den türkisen Boten angerauscht. Rauschhaft auch die Prints der Shirts auf schwerer Baumwolle, die stark an die 90er-Jahre und die Raver-Grafik damaliger Club-Kreativer erinnert. Die guten Stücke kosten je nach Modell zwischen 90 und 110 Euro und sind auf 200 Exemplare pro Modell limitiert.  Auch wenn das nicht ganz billig ist, Liebhabern des Berliner Brands ist diese Aktion doch sicher eine Bestellung wert. 

Bereits seit 2014 kreiert die Marke Richert Beil Kollektionen, die Schneiderkunst, Street-Vibe und Clubber-Style gekonnt verschmelzen. Gerade beim Blick auf die aktuellen Entwürfe jenseits der hier erwähnten „480°“-Capsule-Collection verwundert es etwas, dass die Marke nicht schon viel bekannter ist. Verdient hätte sie es.

Die beiden Labelmacher Jale Richert und Michele Beil wollen mit der aktuellen Aktion nicht auf den stationären Handel angewiesen sein. Eine interessante Idee, die vielleicht bald Schule machen könnte. Und vielleicht auch die Aufmerksamkeit auf die eigentlichen Stärken der beiden Modemacher lenkt: die Trenchcoats, Jacken und Long-Westen zum Beispiel. Sabine Röthig

Richert Beil
In dieser Pizzaschachtel werden die aktuellen T-Shirts der Berliner Labels Richert Beil geliefert.

4. Frank Leder: Hemd zur Brotzeit

Frank Leder macht traditionelle Herrenbekleidung – und trotzdem werden seine Arbeiten auch auf Ausstellungen gezeigt und gerade von Akteuren der Kunst- und Kulturszene geliebt. Natürlich wegen der Qualität seiner Hosen und Hemden, des perfekten Schnitts der Dufflecoats und Cabanmäntel. Oft sind es aber Präsentation und Verpackung, die Leders Mode erst zur Kunst erheben. Mit Blaubeeren eingefärbte Kleidungsstücke etwa präsentiert der Berliner zusammen mit den vom Färbeprozess übrig gebliebenen Zweigen und Fruchtschalen im Karton, auch Kosmetik und Küchenkunst bringt er zusammen. Handseifen verleiht Leder das würzige Aroma der fränkischen Wurstspezialität Preßsack, Shampoos den Duft von Weizenbier, beides für 46 Euro über Nobelhart & Schmutzig erhältlich.

Das düstere Edelrestaurant ist es auch, das derzeit Leders legendäre „Brothemden“ verkauft. Vor sieben Jahren ließ der Designer erstmals Hemden in Brotlaibe einbacken, kürzlich legte er das ungewöhnliche Doppel für Nobelhart & Schmutzig wieder auf. Die Hemden sind recht schlicht gestaltet, geschneidert aus alten Bettlaken, die Leder aus einem Bundeswehrbestand der 70er-Jahre übernommen hat. Die Knöpfe hat er in seinem Berliner Studio mit Tee eingefärbt.

Der Backprozess verändert Tragegefühl und Waschbarkeit der Hemden übrigens nicht – tatsächlich beschreibt Frank Leder das Brot eher als eine Art Verpackung, die durchaus gegessen oder als Objekt in der Wohnung ausgestellt werden kann.

Kein Wunder also, dass sich das „Hemd im Brotlaib“ für 470 Euro auf der Webseite von Nobelhart & Schmutzig nicht unter „Accessoires & Mode“ finden lässt – es taucht in der Kategorie „Kunst“ auf. Manuel Almeida Vergara

Manuel Almeida Vergara
Kunst oder Klamotte? Frank Leders Brot hat eine textile Füllung.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.