Berlin - Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Wie formulieren es emoaggressive Mütter gerne so schön: Ich war nicht wütend, ich war enttäuscht. Nämlich davon, dass das Finale von „Germany’s next Topmodel“ zwar wieder eine für ProSieben-Verhältnisse ungewohnt stümperige Bizarro-Veranstaltung war, aber dieses Mal leider nicht an das Peinpotenzial vergangener Jahre rankam. Einen Modelwettbewerb-Showdown, in dem nicht mindestens ein übergroßes Nagetier überraschend eine Ehe stiftet, kann ich nicht ernst nehmen. Mit dem Ergebnis war ich allerdings sehr zufrieden: Alex, die erste trans Frau, die GNTM gewinnt, mag ich – als Model und für Bonmots wie „Ich finde Männer sehr belastend“.

Berliner Verlag/Stephanie F. Scholz
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Ein paar verstörende Elemente gab es in der Show glücklicherweise ja doch. Welches gefiel Ihnen am besten?

Ich fand die Outfits beim letzten Walk von Dascha und Alex extrem rätselhaft zusammengeramscht – ein bisschen Cher-Lamettaperücke, ein bisschen Bibel-Spielfilm, ein bisschen viel Fred-Perry-Logo. Bis in meine unruhigen Träume verfolgte mich aber die Szene, in der Heidi Klum ihren Ehemann, ihren Schwager und deren Restkapelle unter ihrem oktoberfestzelthohen Rock beherbergt. Als eierköpfige Bildungsbürgerin bekam ich da sofort leicht unappetitliche „Blechtrommel“-Vibes. Gut, dass Freud das nicht mehr erleben musste.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass Lifestyle-Faszinosum, Presshosenunterehmerin und eben auch Jurastudentin Kim Kardashian durch ihr erstes Examen gerasselt ist. Empfinden Sie eher Mitgefühl oder Schadenfreude?

Sie tat mir tatsächlich ein bisschen leid, weil es schließlich auch ziemlich knapp zuging: In dem Examen am Ende ihres ersten Studienjahrs hätte sie 560 Punkte gebraucht, um zu bestehen, doch Kim erreichte nur 474. Sechs Wochen lang habe sie jeden Tag zehn oder zwölf Stunden gelernt, sagte sie arg enttäuscht, nun fühle sie sich als Versagerin. Und obendrein hatte sie ja auch noch Ärger mit ihrem Handyspiel. Man möchte wirklich nicht mit ihr tauschen.

Was war da los?

„Kim Kardashian: Hollywood“ ist ein Spiel, bei dem man sich vom E-Promi zum A-Promi hochruhmen muss – indem man zum Beispiel durch Modeljobs und taktische Dates Famepunkte sammelt. Nun kam ein neues Spiellevel heraus, das „Royal Runaways“ heißt: Der fiktive Prinz Aston und seine fiktive Frau Prinzessin Bianca fliehen dabei aus dem Königshaus, weil seine Familie gemein zu ihr war, und geben einer bekannten Showgröße ein TV-Interview – vage kommt einem das bekannt vor. Und weil von diesem Plot nur echte Prinzen und Herzoginnen profitieren dürfen, wurde das neue Level nach heftigen Protesten wieder entfernt.

Dann bleiben wir doch gleich bei der prominenten Beeferei: Altkanzler Gerhard Schröder und seine Frau Soyeon Schröder-Kim haben Streit mit seiner Exfrau Doris Schröder-Köpf, wegen einer Statue. Haben Sie sich auch in diesen Fall eingearbeitet?

Selbstverständlich, denn ich liebe den Instagram-Kanal von Schröder-Kim und ihren anrührend privaten Blick auf den Gatten. Das Foto des kochenden Nacktarm-Altkanzlers am Herd, angetan nur mit einem Plusterwams, ist ja recht bekannt – noch schöner aber finde ich die Kurzfilme, in denen er minutenlang angestrengt Meisenknödel aufhängt oder über einen schiefen Ast referiert, den er vom Golfplatz mitgebracht hat: „Schau dir diese Flechte an!“. Der Statuenstreit ist leider deutlich unpoetischer: Schröder-Köpf, der zum Teil das Haus in Hannover gehört, in dem Schröder und Schröder-Kim ihr Büro haben, stört sich an einer Figur, die die beiden dort im Eingangsbereich aufgestellt haben: Sie sei eine potenzielle Brandlast. Für Schröder-Kim hat die Statue allerdings eine tiefere Bedeutung, weil sie an die Opfer von sexueller Gewalt während der japanischen Kolonialherrschaft in Korea erinnert.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Wie immer weiß man es nicht ganz genau, aber ich gehe stark davon aus, dass auch sie die vergangene Woche weitgehend damit zugebracht hat, sämtliche verfügbaren Videos der italienischen ESC-Gewinnerband Maneskin um den Sexymann Damiano David nachzuarbeiten – wie jede und jeder von uns, seufz.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.

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