Der Ton zwischen Gregor Gysi (Die Linke) und Sahra Wagenknecht (ebenfalls Linke) wird rauer. Der Bundestagsabgeordnete Gysi sagte in einem Interview mit der Welt, dass er verärgert sei über seine Kollegin und sechs weitere Abgeordnete seiner Partei, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine weiterhin der Nato und vor allem den USA eine Mitschuld am Krieg in der Ukraine geben würden.

Sieben Abgeordnete, darunter Sahra Wagenknecht, hatten eine Erklärung nach einer Sondersitzung im Bundestag verfasst, die mit dem außenpolitischen Sprecher Gysi nicht abgestimmt worden sei. Das hätte die Positionen der Linken konterkariert, sagte Gysi in dem Interview. „Vielleicht wäre diese ganze Eskalation nicht passiert, wenn es keine Nato-Osterweiterung gegeben hätte. Aber die Nato hat letztlich jetzt keinen Fehler begangen, der den Krieg rechtfertigte.“

Wagenknecht: Ich bin entsetzt über Brief von Gregor Gysi

Auf die Frage, welche außenpolitische Richtung die Bundesregierung mit einer Beteiligung der Linken heute nehmen würde, antwortete Gysi: „Wenn wir jetzt in der Regierung wären – das wäre eine absolute Katastrophe. Man kann fast dankbar sein, dass es keine Chance dazu gab. Das hätte unsere Partei völlig zerrieben.“ Der Politiker sagte außerdem, dass er sich in Russlands Präsident Wladimir Putin getäuscht hätte. „Ich habe Wladimir Putin nicht zugetraut, den Weg eines verbrecherischen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieges zu gehen. Als er die sogenannten Volksrepubliken anerkannte, war mir klar, dass er dort einmarschieren wollte. Dass er aber auch Kiew erobern will, habe ich nicht gedacht.“

Sahra Wagenknecht hatte sich vor Gysis Welt-Interview bereits bei Twitter geäußert und Gysis Kritik an ihrer Erklärung, die er laut Spiegel in einem offenen Brief zuvor verschriftlicht hatte, von sich geschoben. Wagenknecht schrieb: „Ich bin entsetzt über den Brief von Gregor Gysi, der den Eindruck erweckt, es gäbe in der linken Bundestagsfraktion Mitglieder, mich eingeschlossen, die Putins völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht unmissverständlich verurteilt hätten.“