Palma de Mallorca - Mit voller Wucht hat der Sommer dieses Jahr etwas verspätet Deutschland erreicht. So mancherorts ist es aktuell heißer als in meiner Wahlheimat Mallorca. Die Spanier sind geübt im Umgang mit Temperaturen jenseits der 30 Grad und die mediterrane Küche hat so manches Rezept für die extraheißen Tage parat. Und was die Spanier im Sommer brauchen, brauchen wir in diesen Tagen schon lange.

Wie wäre es also mit einer kalten oder – wie es im Fachjargon heißt – geeisten Suppe? Die spanische Gazpacho hat ja inzwischen die ganze Welt erobert. Es gibt sie sogar in guter Qualität aus dem Tetrapack. Das deutsche Pendant der Gazpacho, die Gurkenkaltschale, war leider weniger erfolgreich. Dennoch ist sie ein perfektes und erfrischendes Sommergericht, das der Gazpacho durchaus den Rang ablaufen könnte.

Berliner Verlag
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Am 19./20. Juni 2021 im Blatt: 
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Grundsätzlich bekommt die schnöde Salatgurke viel zu wenig Aufmerksamkeit. Zu Unrecht, denn hinter dem faden Gemüse versteckt sich eine echte Wunderwaffe für heiße Tage. Haben Sie schon mal eine Schlangengurke gegrillt? Nein? Dann sollten Sie das mal probieren. Geschälte Gurke mit gegrillter Wassermelone, gutem Olivenöl, Zitronensaft und frischen Kräutern ist nämlich ein herrlicher Sommersalat. Mit etwas Feta oder gegrilltem Halloumi gewinnt dieser Salat noch etwas an Substanz. Geht eigentlich immer, auch als Beilage!

Doch die Gurke kann mehr. Übergießt man sie mit einem heißen Sud aus Wasser, Essig, Salz, Zucker und frischen Kräutern (Dill und Estragon), hat man schnell (in 2–3 Wochen) seine eigenen Gewürzgurken. Es braucht nur ein Weckglas, schon schmecken die Gurken so, wie es einem passt. YouTube ist voll mit Rezepten dazu. Als Beilage zu geräuchertem Fisch, mit Radieschen und Frühlingslauch ist das auch ein schönes Sommergericht.

Schmorgurken passen zwar nicht in die heiße Jahreszeit, doch dieses in Vergessenheit geratene Gericht zeigt, was die Gurke noch so leisten kann. Und glauben Sie nicht, dies ginge alles mit ein und derselben Gurke. Nein, neben der Salatgurke gibt es eine große Vielfalt (Menschen aus dem Spreewald wissen, wovon ich spreche!) an unterschiedlichen Gurken. Die Gewächse gibt es in allen möglichen Varianten, sie sind eng verwandt mit Melonen und Kürbissen. Nur leider schaffen es unsere Supermärkte nicht, diese Vielfalt zu präsentieren. Doch erinnern Sie sich das nächste Mal daran, wenn Sie eine Salatgurke sehen: Sie ist nur eine Sorte von vielen, leider ein echter Diversity Fail! Und wahrscheinlich auch ein Opfer von EU-Standards.

Gurkenkaltschale

Aber lassen sie uns nun zu meinem einfachen Sommergericht kommen, einer simplen kalten, grünen Gemüsesuppe (in mehreren Varianten). Sie benötigen einen kräftigen Mixer oder Stabmixer und ein Sieb, das war’s.

Variante I:

Zutaten (für 2 Personen): 1 Gurke (geschält), 2–3 Stangen Staudensellerie (geputzt), 1/2 Kopf- oder Eisbergsalat, 1 grüner Apfel (Granny Smith oder Golden Delicious), 1/2 Zwiebel, 1/4 Knoblauchzehe, etwas Dill und Estragon (nach Geschmack), Raps oder Leinöl (kaltgepresst), Weißweinessig (ca. 75ml), Salz & Pfeffer

Zubereitung: Das Gemüse klein schneiden und mit den Kräutern, Salz, Pfeffer und dem Essig kräftig mixen. Sollte es zu dick zum Mixen sein, ruhig etwas Wasser oder mehr Essig dazugeben. Wenn alles fein gemixt ist, durch ein grobes Sieb geben und mit Salz, Pfeffer, Essig und Öl abschmecken. Die Suppe darf ruhig kräftig nach dem Essig schmecken. Wer möchte, kann noch Avocado und grüne Paprika dazugeben und mit grünem Tabasco und Limettensaft abschmecken.

Variante II:

Zubereitung: Besorgen Sie etwas mehr Gurke, Staudensellerie und Apfel. Schneiden Sie feine Würfel (ca. 5 mm) daraus und geben Sie sie anschließend als Einlage in die passierte Suppe. Mit geröstetem Brot wird es so eine etwas reichhaltigere Mahlzeit.

Variante III:

Zubereitung: Wer es sich besonders gut gehen lassen möchte, kann nun noch einen Kleks schönen, frischen Schmand dazugeben. Besorgen Sie Filets von Saiblingen aus dem Berliner Umland (es ginge auch Lachs in Sushi-Qualität) und schneiden Sie sie roh in etwa 1 cm dicke Würfel und geben Sie die ebenfalls als Einlage dazu. Der Kaviar dieses Fisches und frische gezupfte Kräuter komplettieren dieses sommerliche Festmahl.

Ein echter Hochgenuss!

Ansonsten: Machen Sie doch einfach mal wieder einen Gurkensalat selber, Sie werden merken mit einer schönen Vinaigrette und frischen Kräutern ist auch dieser ein wahrer Hochgenuss!

Felix Hanika war zunächst Investmentbanker, dann machte er im Hotel & Restaurant Bareiss im Schwarzwald eine Kochlehre. Acht Jahre kochte er in den besten Restaurants der Welt. Heute lebt er auf Mallorca. In der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung schreibt er regelmäßig über seine Lieblingsprodukte.

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