Berlin - Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Die Schauspielerin und Schickimicki-Bedarf-Verkäuferin Gwyneth Paltrow. Sie offenbarte in einem Interview, dass es ihr während der bis jetzt vergangenen Corona-Zeit gelegentlich wirklich nicht gut gegangen sei – so weit, so nachfühlbar. Als Beleg dafür, wie am Ende sie genau gewesen sei, gibt sie dann aber ein mindestens irritierendes Indiz an: Sie habe Nudeln und sogar Brot gegessen. Gemeines Gluten also, nicht zu fassen, sie muss wirklich am Ende gewesen sein. Für mich war diese Einlassung angesichts des Leids, das diese Pandemie sonst noch so verursacht hat, eine neuer, wenn auch eigentlich überflüssiger Beleg dafür, in welch entferntem Universum Paltrow mittlerweile residiert. Ich würde ihr darum gern den klassischen Marie-Antoinette-Ratschlag geben: Wenn sie Brotessen so schlimm findet, soll sie halt Kuchen essen.

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Ihre lieben Royals haben Ihnen vergangene Woche ja auch wieder Kummer gemacht.

Ja, es ist momentan leider einfach sehr unerquicklich mit ihnen – ich habe mich ja vor allem immer deshalb gern mit dem britischen Königshaus beschäftigt, weil dessen Welt so ein herrlich entrücktes Paralleluniversum war, aber inzwischen stehen die unerfreulich weltlichen Probleme sehr im Fokus. Prinz Harry hat gerade in einem Podcast noch mal gegen seine Familie nachgelegt. Er sagt, er sei mit Herzogin Meghan nach Los Angeles gezogen, um dem „genetischen Schmerz“ seiner Familie zu entkommen, wie er es nennt: Sein Vater Prinz Charles habe ihm durch seine Erziehung dasselbe Leid weitergegeben, das er als junger Mensch selbst habe durchmachen müssen.

Das klingt ziemlich traurig.

Ja – aber auch ein bisschen merkwürdig: Harry sagt, er habe schließlich eine Therapie begonnen, weil Meghan ihm dazu geraten hatte. Aber warum hat er ihr dann nicht geholfen, therapeutische Hilfe zu bekommen, als es ihr selbst schlecht ging, wovon sie im Interview mit Oprah Winfrey erzählte? Sherlock Rützel müsste da dringend mal hinter den Palastmauern ermitteln.

Erwärmt wenigstens das mutmaßliche sogenannte Liebescomeback von Ben Affleck und Jennifer Lopez Ihr Herz?

Überraschenderweise nicht. Obwohl ich mich durchaus für Supercouples aus zwei Toppromis interessiere und mich immer über ein schönes Kitschkompositum wie Bennifer oder Brangelina freue, finde ich die beiden miteinander leider irgendwie aseptisch, auch wenn das eine Minderheitenmeinung sein mag.

Welches Paar finden Sie denn interessanter?

Machine Gun Kelly und Megan Fox zum Beispiel. Der Rapper trägt sogar eine ziemlich wörtliche Übersetzung seines Songs „Bloody Valentine“ um den Hals: Eine kleine Phiole mit ein bisschen Blut von Megan nämlich, und das ist natürlich fabelhaft cheesy und erinnert eher an zwei Halbwüchsige, die zu viele Vampirserien gesehen haben. Vergangene Woche erzählte er in der Talkshow von Ellen DeGeneres von den ersten Dates des Paares, die allesamt einen deutlichen There-will-be-blood-Vibe hatten: Sie erkletterten zum Beispiel ein Gebäude, um auf dem Dach zu sitzen, und schwammen – ganz ohne Käfigschutz – mit Haien. Ich hoffe, dass diese Liebe hält, damit sie dann zum 25. Hochzeitstag zusammen einen Blutwurst-Metzgerkurs machen können.

Der österreichische Bauunternehmer Richard Lugner soll ja auch eine neue Freundin haben.

Schade, dass Sie es ansprechen, ich hatte es gerade vergessen. Aber ja, angeblich soll der 88-Jährige mit der krawallfreudigen und hobbywrestlenden „Deutschland sucht den Superstar“-Teilnehmerin Lydia Kelovitz, 29 Jahre, anbandeln. Man sah sie händchenhaltend beim Spargel essen, und ich hasse mich ein bisschen dafür, dass ich das weiß. Nach ihren traditionell von Lugner mit einem Tiernamen versehenen Vorgängerinnen Mausi, Hasi, Bambi, Katzi, Spatzi, Kolibri und Goldfisch (Reihenfolge ohne Gewähr) durfte Kelovitz sich ihren Schmusenamen selbst aussuchen. Sie entschied sich für „Wildsau“. Was ist nur mit den Leuten?

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Man weiß es wie immer nicht genau, aber ausgesprochen unbestätigten Gerüchten zufolge soll sie ihre Liebe für das Extrembügeln entdeckt haben. Es ist aber auch ein wirklich faszinierender Sport, den man keinesfalls belächeln sollte: Beim Extrembügeln geht es darum, unter möglichst fordernden klimatischen oder sonstigen Bedingungen Wäsche zu plattieren, zum Beispiel an einem Steilhang oder unter Wasser. Da Helene Fischer ja akrobatisch talentiert und ehrgeizig ist, scheint mir das durchaus plausibel.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.

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