Berlin - Frau Rützel, wer hat Sie vergangene Woche wütend gemacht?

Jens Lehmann – nachdem er Dennis Aogo in einer fehlverschickten SMS als „Quotenschwarzen“ bezeichnet hatte, musste ich dann doch mal in meinen tetrishaft vollgestapelten Keller hinabsteigen und die „Lehmann muss raus!“-Fahne suchen, die ich als ausgewiesener Titan-Kahn-Ultra anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 selbst gebastelt hatte, um die in meinen Augen skandalöse Torwartentscheidung anzuprangern. Nachdem dann auch Aogo durch eine unsensible Verbalentgleisung auffiel, hoffe ich nun nicht, dass die beiden fortan ein sich immer wieder neu befeuerndes Problemofanten-Perpetuum-mobile bilden werden.

Die bisher meist schluffimäßig gekleidete Sängerin Billie Eilish sorgte mit ihrem Titelbild für die britische Vogue für Aufsehen, auf dem sie in überraschend körpernaher Klamotte posiert. Wie finden Sie Cover und Stilwechsel?

Hervorragend! Ich liebe Eilish schon immer für ihre schwerlidrige Nonchalance. Und der fleischwurstfarbene Corsagenstyle steht ihr zweifellos ganz ausgezeichnet. Wer ihr jetzt Inkonsequenz vorwirft, weil sie nicht für alle Zeiten im Schlumperle-Look herumlaufen will (was ich persönlich allerdings durchaus erstrebenswert fände), hat natürlich nichts verstanden – ihre Kernmessage war ja schon immer: „Mach, was du willst, und zwar, wann du es willst“, und dabei ist es eben völlig egal, ob man seinen Körper nun zeigen möchte oder eben nicht. Mir gefallen auch ihre blondierten Haare sehr gut, ich erwäge seit einer Weile selbst, ob ich zu meinem hellen Haar der frühen 2000er-Jahre zurückkehren soll. Wahrscheinlich warte ich aber noch ein paar Jährchen, um den angestrebten Ruth-Maria-Kubitschek-Vibe perfekt zu machen.

Bei den Royals ist in den letzten Wochen ja konstant viel geboten. Jetzt haben Prinz William und Herzogin Catherine sogar einen eigenen YouTube-Kanal – schon abonniert?

Selbstverständlich. Ich mochte schon das Video sehr, das sie letztens anlässlich ihres zehnjährigen Hochzeitstags veröffentlichten und das die ganze Familie bei einem Dünenspaziergang zeigt – ein bisschen wie ein Jever-Werbespot, nur ohne Alkohol und mit mehr Kindern. Noch interessanter fand ich aber das Glückwunschposting, das Prinz Charles auf Instagram für Archie absetzte – der Sohn von Prinz Harry und Herzogin Meghan wurde zwei, und Charles ließ seine bitchy Seite raus, indem er ein Foto postete, auf dem nur er, Harry und Archie zu sehen waren. Mir gefällt die Vorstellung, wie er seine eventuell nicht mehr ganz so gut gelittene Schwiegertochter vorher noch umständlich mithilfe von YouTube-Tutorials und einer Photoshop-Testversion weggeschnippelt hat.

Sie lungern ja augenscheinlich viel auf Instagram und YouTube herum, wie halten Sie es eigentlich mit TikTok?

Dort bin ich seltener, tatsächlich habe ich dort aber in der vergangenen Woche etwas gelernt: Die Hotelerbin Paris Hilton erzählt dort nämlich in einem kleinen Schnipsel, dass sie das ikonische weiße Hemdchen mit der hämischen Aufschrift „Stop being poor“ in Wahrheit nie getragen habe: Die Aufschrift sei nachträglich mit Bildbearbeitung entstanden. In Wahrheit habe auf ihrem Shirt „Stop being desperate“ gestanden, erzählte sie weiter, und das finde ich tatsächlich sogar noch eine Spur herzloser.

Gibt es noch was Interessantes aus dem Trash-TV-Universum zu vermelden?

Gut, dass Sie fragen: Tatsächlich braut sich da gerade ein interessanter Babynamenskonflikt zusammen: Der „Bachelorette“-Kandidat Johannes Haller und die Ex-„Bachelorette“ Jessica Paszka haben nämlich gerade eine Tochter bekommen, die Hailey-Su heißt. Hallers Exfreundin Yeliz Koc, ihrerseits „Bachelor“-Kandidatin, erwartet allerdings gerade ein Kind mit Jimi Blue Ochsenknecht und äußerte schon im vergangenen Jahr, sie finde den Namen Hailey sehr schön. Und Hallers „Bachelorette“-Mitkandidat Nik Schröder und seine Frau Jessi, die ebenfalls schwanger ist und, man ahnt es schon, ebenfalls „Bachelor“-Kandidatin war, haben sich auch schon für den Namen Hailey entschieden. Das wird sicher alles gut ausgehen.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Wie immer weiß man es nicht genau, aber ich denke, sie kauft gerade Flips, um heute Abend entspannt „Schlag den Star“ mit Claudia Effenberg gegen Carmen Geiss anzuschauen. Und überlegt eventuell, ob sie nicht doch endlich Andrea Berg herausfordern soll. (chs.)

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.