Der Kreml versucht, die Wahrheit über den Ukraine-Krieg zu verbergen. Meduza, eines der größten unabhängigen russischen Onlinemedien, wurde geblockt. Die Redaktion musste Russland verlassen. Meduza kann kein Geld mehr aus Russland erhalten. Deshalb wendet sich die Meduza-Redaktion nun an uns, an die europäischen Nachbarn, mit der Bitte um Hilfe. Meduza sucht 30.000 Unterstützerinnen und Unterstützer, um weiter berichten zu können.

Schon seit April 2021 musste Meduza um seine Zukunft mit Spenden ringen. Damals wurde das Medium von dem russischen Justizministerium als „ausländischer Agent“ eingestuft – eine Bezeichnung, die vor allem Kreml-kritischen Medien, einzelnen Journalisten und anderen Organisationen angewandt wird – und deren Arbeit in vielerlei Hinsichten schwieriger beziehungsweise unmöglich macht.  Nicht nur vor diesem Hintergrund werden kritische Medienstimmen innerhalb Russlands immer seltener. In Russland ist es jetzt eine Straftat, die mit bis zu 15 Jahren Haft verurteilt wird, den Krieg in der Ukraine zu kritisieren oder anders als eine „militärische Sonderoperation“ zu beschreiben. Die liberale Radio- und Fernsehsender Ekho Moskvy und TV Rain, die sich diesem nicht beugen wollen, wurden deswegen vor zwei Woche aus dem Programm genommen. Seit Beginn des Krieges ist es für Medienschaffende in Russland schwieriger denn je geworden, offene und kritische Berichterstattung über ihr Land zu leisten – und gerade deswegen ist die Arbeit von Redaktionen wie Meduza umso wichtiger.

Millionen von Lesern in Russland brauchen eine unabhängige Informationsquelle. Und Meduza könnte bald ihre letzte sein. Die Redaktion der Berliner Zeitung am Wochenende unterstützt die Initiative und bittet Sie, liebe Leserinnen und Leser, das Projekt zu einem Erfolg zu machen. Menschen, die helfen wollen, können über einen Link ein monatliches Online-Abo in Höhe von 8, 16 oder 50 Euro abschließen. Das Geld fließt direkt in die Hände der Meduza-Redaktion, die dafür sorgen möchte, dass die Bürgerinnen und Bürger Russlands die Wahrheit über den Krieg in der Ukraine erfahren. Sprechen Sie auch mit Ihren Freundinnen und Freunden über die Aktion, teilen Sie diesen Text oder den Link zur Spendenaktion.

Der Link, über den Sie ein Online-Abo abschließen können, lautet: https://save.meduza.io/eu

Wer direkt Geld spenden möchte (ohne Abo), kann dies unter folgender Seite tun: https://support.meduza.io/en

Kann man auf Meduza in Russland überhaupt noch zugreifen? Ja. Viele Russen haben Methoden entwickelt, um die Zensur zu umgehen. Sie nutzen Technologien, um zu verschleiern, dass ihre Online-Anfragen auf den Meduza-Inhalt aus Russland kommt, also VPN-Services oder Tor-Browser zum Beispiel. Auch verwenden sie freie Kanäle wie eigene Apps und Messenger wie Telegram. Die Meduza-Redaktionsmitglieder berichten, dass der Traffic seit der Blockade kaum abgenommen hat.

Dies ist der persönliche Appell der Meduza-Redaktion an Sie:

„Der Kreml tut alles, was in seiner Macht steht, um die Wahrheit über den Krieg in der Ukraine zu verbergen. Russland steht unter militärischer Zensur. Die Behörden verbieten der Presse, die Invasion in der Ukraine als Krieg zu bezeichnen. Sie drohen Journalisten, die unabhängig verifizierte Informationen über den Konflikt veröffentlichen, mit bis zu 15 Jahren Gefängnis. Meduza wurde 2014 in Europa eingeführt, kurz nachdem Russland die Krim annektierte. Acht Jahre haben wir daran gearbeitet, unter ungünstigsten Bedingungen unabhängigen Journalismus anzubieten. Millionen von Menschen in Russland verlassen sich jetzt auf unsere Berichterstattung. Vor ein paar Tagen mussten unsere Journalisten jedoch das Land verlassen. Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine ist es unmöglich, Geld von Russland nach Europa zu transferieren. Wir haben 30.000 Spender verloren. Im Moment erhalten wir überhaupt kein Geld mehr aus Russland. In dieser Situation wenden wir uns an Sie. Wir bitten Sie, die Rolle unserer engagierten Unterstützer in Russland einzunehmen. Retten Sie Meduza für unsere russischen Leserinnen und Leser. Wir haben die Pflicht, die Wahrheit zu sagen. Wir haben Millionen von Lesern in Russland, die uns brauchen. Ohne unabhängigen Journalismus wird es unmöglich sein, diesen monströsen Krieg zu stoppen. Ihre Meduza-Redaktion“

Haben Sie Feedback? Schreiben Sie der Chefredaktion der Berliner Zeitung am Wochenende: tomasz.kurianowicz@berliner-zeitung.de