Berlin -  Spätestens seit dem Beginn der Corona-Pandemie wollen ja alle kochen und backen. Seit Jahren schon boomt der Markt für Kochbücher, TV-Kochshows und Foodblogs. Doch die Küchenchefs in Deutschland – übrigens auch die in den Sternerestaurants – klagen. Denn kaum einer will noch eine Kochausbildung machen. Kochen ja, aber das Handwerk ist den jungen Leuten heute einfach zu hart und zu schlecht bezahlt.

Und der Trend setzt sich in den Hobbyküchen fort. Die wenigsten Menschen wagen sich heute noch an aufwändig zubereitete Gerichte. Schaut man sich im Kochbuchregal etwa bei Dussmann in der Friedrichstraße um, dominieren Kurzgebratenes und Salate. Wie man aber mit einer Kalbszunge, Beuschel und Hirn vom Wiesenlamm oder mit einem ganzen (noch lebenden) Kraken umgeht, ist den meisten Laien-Chefs unbekannt.

Das ist schade, denn die richtigen Zubereitungen holen nicht nur aus scheinbar weniger edlen Zutaten richtig Geschmack heraus, sie sorgen auch – zum Beispiel als Zutaten für eine Brühe – für einen restlosen Verbrauch der Reste in Kühlschrank und Vorratskammer. Das Rezept dieser Woche – ein wunderbar klassisches Huhn Marengo, das der Koch von Napoleon Bonaparte erfunden haben soll – kommt daher aus einem schon mehr als 50 Jahre alten Kochbuch.

Alte Kochbücher: lustig und hilfreich

Es heißt simpel „Das große Reader’s Digest Kochbuch“ von Katinka Mostar. In dem eng beschriebenen Buch finden Sie für nahezu alle bekannten Gerichte und alle essbaren Produkte sehr knapp geschriebene Anleitungen. Und das Beste: es gibt einen sehr klaren und lustigen Einblick, welche Rezepte (Falscher Hase) in den 70er-Jahren mal hipp waren. Besonders schön ist darin die Beschreibung für ein perfektes Katerfrühstück: „Servieren Sie das Bier wirklich gut gekühlt und halten Sie klaren, eiskalten Schnaps in Reserve. Denken Sie daran, dass gerade verkaterte Gäste nicht nur großen Durst, sondern oft besonders großen Appetit entwickeln.“

Huhn Marengo

Zutaten: 1 größeres Huhn, 1/8 Liter Olivenöl, 4 geschälte frische Tomaten, 50 g Tomatenmark, 3 Knoblauchzehen zerdrückt, 1 TL Thymian getrocknet, Lorbeerblatt, 1 Gewürznelke, Messerspitze gemahlene Nelke, 1 TL Zucker, 1/2 Liter herber Weißwein, 3 EL Cognac, 10 kleine Champignons, Salz, weißer Pfeffer

Zubereitung: Salzen und pfeffern Sie das Huhn von innen und außen und lassen es etwa eine Stunde stehen. Erhitzen Sie Öl in einer Pfanne, geben das Huhn dazu und braten es sorgsam von allen Seiten an. Schließen Sie die Pfanne und reduzieren Sie die Hitze.

Während das Huhn gart, die Soße bereiten. Geben Sie in einen Topf zuerst Tomaten, Knoblauchzehen, Lorbeerblatt, Nelken, Tomatenmark, Zucker, Weißwein und lassen Sie alles leise kochen. Sorgen Sie dafür, dass die Tomaten ganz zerfallen, und rühren Sie die Sauce, eventuell mit dem Mixstab oder einem Schneebesen einige Male um. Wenn die Sauce ca. 15 Minuten gekocht hat, schmecken Sie ab mit Thymian und Pfeffer.

Nun das inzwischen weich gewordene Huhn in je vier Stücke teilen, in eine tiefe Schüssel legen und mit der Sauce übergießen. Wenn Sie Champignons verwenden wollen, lassen Sie sie in dem Bratöl 1-2 Minuten schmoren. Geben Sie Cognac dazu, den Sie nach Wunsch auch anzünden können, und gießen Sie jetzt den Bratsaft zu der Sauce. Servieren Sie sofort und geben Sie frisches, warmes Weißbrot dazu.

Huhn Marengo schmeckt auch sehr gut, wenn Sie statt Weißwein herben Rotwein verwenden.

Katinka Mostar, Das große Reader’s Digest Kochbuch, Online zu kaufen im Antiquariat ZVAB.de, ab 7,95 Euro.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo.