Miami - Ein Bassgitarren-Solo erklingt, der Kakadu von Iggy Pop beginnt sanft den Kopf zu wiegen. Dann setzt ein treibendes Schlagzeug ein und der Vogel wird zum astreinen Headbanger. Der Song „Tweet Tweet Tweet“ von den Sleaford Mods kommt in Fahrt, Jason Williamson beginnt rustikal zu singen. Das Tier verharrt und guckt irritiert in die Kamera. Iggy Pop lacht. Vor ein paar Tagen wurde das einminütige Video auf dem Twitter-Account der Sleaford Mods gepostet, es hat derzeit 3,2 Millionen Klicks. Anlass genug, sich ein paar sogenannte Petfluencer genauer anzuschauen.

1. Iggy Pops Vogel

Auch auf Instagram ist das Video mit Iggy Pop und seinem Kakadu zu sehen, und es gibt noch mehr. Der zartrosa gefiederte Freund des Sängers heißt Biggy Pop und hat einen eigenen Account. Dieser erfreut alle paar Monate mit Videos, in denen Biggy und sein Herrchen gemeinsam Musik hören. Manchmal singt der 74-Jährige auch für das musikbegeisterte Haustier, das immer voll mitgeht. Beide sind dabei unglaublich niedlich. Toller Nebeneffekt der Videos: Man wird Zeuge der großzügigen Wohnsituation einer der letzten lebenden Legenden, der von Iggy Pop und seiner Frau Nina Alu in ihrem Haus in Palmetto Bay, Florida. Hier relaxt Iggy samt Vogel auf hellen Sofalandschaften und mit Kissen übersäten Betten. Dabei zuzusehen ist ein bereicherndes Vergnügen. Gott schütze Familie Pop. 

2. Russische Möpse

Auch der russische Mops Leonid hört viel Musik. Anders als Biggy Pop wird er jedoch oft mit Kompositionen und Seitenprojekten von Dieter Bohlen konfrontiert. Wie er das findet, bleibt unklar, denn Möpse zeigen ihre Gefühle nur sehr selten. Ihr Blick wirkt jedoch oft panisch, was bei den meisten Menschen einen Lachreflex auslöst. Kürzlich bekam Mops Leonid einen schwarzhaarigen Zweitmops an die Seite gestellt. Seit dieser eingezogen ist, scheint Leonid ein wenig abgenommen zu haben. Ist er vielleicht gestresst? Seine Besitzer, ein nerdiges Hipster-Pärchen, tun aber alles, um das vierbeinige Toastbrot bei Laune zu halten. So wird es regelmäßig mit Spielzeug beschenkt (gedämpftes Interesse), auf Ausflüge in die Berge mitgenommen (wenn Schlafmöglichkeit vorhanden und Gruppe beisammen bleibt, ok), mit Selbstgestricktem verkleidet (egal) und mit Futterspielen überrascht (maximale Begeisterung). Gerade bei letzterer Beschäftigung ist der Musikgeschmack seiner menschlichen Eltern mit Sicherheit egal.

3. Der Meerschweinchenparcour 

Zentrales Motiv dieses Instagram-Accounts ist ein immer wieder neu und variantenreich aufgebauter Brückenpfad, der aus dem zweistöckigen Townhouse einer Utrechter Familie in deren Garten führt. Protagonisten sind die drei Meerschweinchen Buff, Wally und Conan. Letzteres Schwein ist zuletzt hinzugekommen, führt jedoch das Rudel oft an. Ziel ist das Ananaszelt im Garten. Wenn dieses erreicht ist, enden die Videos. Der Weg ist eben das Ziel. Die eigentliche Behausung der niederländischen Meerschweinchen befindet sich aber drinnen. Auch hier sehen sich die Tiere mit einer oft wechselnden Wohnsituation konfrontiert. Neuerdings bewohnen sie ein Holzhaus mit Panoramafenstern. Nun, es könnte schlechter kommen. Die drei Meerschweinchen und ihre Familie haben es bereits in die Lokalpresse geschafft, hiermit steigern wir ihren internationalen Ruhm.

4. Ein Haus voller Füchse

In Berliner Innenstadtbezirken gehören Füchse ja bereits zum guten Ton. Allerdings bezieht sich das auf den Außenbereich. Der Entschluss, sich den listigen Kameraden in die Eigentumsmaisonette zu holen, bleibt noch die Ausnahme. Und doch passiert’s. Nämlich zum Beispiel dann, wenn es sich um eine Tierrettung handelt und diese in den geräumigen USA stattfindet. So geschehen bei Fuchs Juniper, dessen Instagram-Account mit drei Millionen Followern zu den weltweit erfolgreichsten zählt. Sein Frauchen Jessica Coker rettete Juniper einst vor der Häutung in einer Pelzfarm. Inzwischen wimmelt es in ihrem neuen Haus in Panhandle, Florida, nur so von geretteten Wildtieren. Man verliert etwas den Überblick, aber laut Presseberichten sollen darunter aktuell fünf Füchse sein. Diese schreien, fressen, beißen und kuscheln – so was von niedlich aber auch! Trotzdem will man die Pflege des Rudels nicht am Hals haben, denn eines ist klar: Ein Fuchs riecht nicht nach Rosenwasser. 

5. Paris Hiltons Mini-Hunde

Ein viraler Oldie-but-Goldie ist die Doggy Mansion der Paris Hilton. Viele kennen die angeblich 325.000 Dollar teure Behausung ihrer Echthundsammlung bereits aus den Medien. Dabei handelt es sich um eine Art überdimensioniertes Puppenhaus auf Hiltons Anwesen in Beverly Hills, in dem derzeit sechs Hunde untergebracht sind. Sie haben klangvolle Namen wie Diamond Baby, Princess Paris Jr oder Slivinton. Kaum eines der Hündchen geht über das Taschenformat hinaus. Damit bleibt das Ex-It-Girl einer Modeströmung treu, die sie einst selbst mit dem Chihuahua Tinkerbell maßgeblich prägte. Tinkerbell ist 2015 verstorben, doch es wuselt und wimmelt weiter im Hause Hilton. Danke, dass wir daran teilhaben dürfen. Auch wenn das schrille Farbschema manchmal ein wenig in den Augen zwickt.


Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.