Berlin - Ich bin Weinliebhaber und liebe klebrige süße Weine. Nur bin ich damit in Berlin ein Außerirdischer. Denn „süß“ ist ein Wort, das vielen Weintrinkern Angstschweiß auf die Stirn treibt. Da denkt man an Krimsekt, Rotkäppchen halbtrocken und Kegeldamen im Zugabteil. Den meisten Lesern wird sicherlich auch nicht entgangen sein, dass Alkohol selbst hochkalorisch ist und dass Zucker im Allgemeinen heute nach Klimawandel und Umweltverschmutzung der schlimmste Staatsfeind der Weltengemeinschaft ist. Laut WHO sind inzwischen erstmals in der Menschheitsgeschichte mehr Personen übergewichtig als untergewichtig. Und diese Fettleibigkeit tötet in entwickelten Ländern mehr Menschen als Hunger. Einer der wichtigsten Gründe: Zucker.

Liebliche Weine passen also nicht mehr in das Weltbild des modernen (Berliner) Kosmopoliten, der umgeben von schwarzen Designermöbeln, zeitgenössischer Kunst in einem minimalistisch ausgestatteten Loft lebt. Wo abgelaufene Perserteppiche, Familienfotos und schwere Samtsofas durch klare Linien, Edelstahl und langweilige Leere ersetzt wurden. Der moderne Städter trinkt hier „knackigen“ jungen, knochentrockenen Riesling mit mineralischen Noten. Auf Weine mit Restsüße wird höchstens spöttisch herabgeschaut. Bodyshaming und Reinheitsfimmel liegen im Trend.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.