Berlin - Ich packe meinen Rucksack und nehme mit: meinen Impfpass. Scheiße, wo ist mein Impfpass? Seit Jahren sucht Deutschland den Impfpass, und jetzt, da Deutschland ihn findet, suche ich, Trottel, immer noch. Okay, locker bleiben, keine Krampfader im Impfarm riskieren, ist bestimmt im wichtigen Ordner. Dafür habe ich doch einen wichtigen Ordner, genau für diesen Fall, dass es Wichtiges zu erledigen gibt, zum Beispiel: Antrag auf Kostenbescheid nach dem – Was ist die Steigerung von Buchstabensuppe? – Tagesbetreuungskostenbeteiligungsgesetz oder – Richtig, Wörtersee! – Bescheinigung über Beitragszeiten aus Entgeldersatzleistungen in der Rentenversicherung. Oder einfach nur eine Impfung. Ein Milliliter Moderna. Der erste Schuss ins Glück. Meine Exitstrategie für die Pandemie. Und wo ist noch mal der wichtige Ordner?

Als am Flughafen Tegel vor ein paar Wochen die letzten Gates schlossen, diesmal wirklich, also endgültig auch kein Start, für immer keine Landung mehr, da war ich traurig, wie man eben traurig ist, wenn etwas zu Ende geht. Die letzte Staffel einer Serie. Ein Jahrhundertsommer. Oder eine Beziehung. Gäbe es ein Gesetz, das die Heirat mit einem Flughafen erlaubt, ich hätte Tegel mein Ja gegeben. Wäre danach niemals fremdgeflogen. Vor allem nicht von Schönefeld aus, wo diese hingerotzte Menschenabfertigungshalle steht und jetzt dieser hingepfuschte BER so tut, als wäre er fertig. Weiß nicht, war nie da. In meiner Vorstellung sieht der BER so aus wie eine verschrumpelte Ingwerknolle.

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