Berlin - Die Schiebetür springt auf, von draußen strömt ein heißer Wind in den Warteraum. Eine Mutter im Blümchenkleid weht mit hinein. An ihrer Hand hält sie ihren Sohn, der eine Sonnenbrille zur Maske und den Kopf mit Baseballcap so tief trägt, dass man ahnt, wie sehr er sich schämt. Er muss um die 15 Jahre alt sein. Ein Teenager, der vor allem eines möchte: bloß weg hier, einfach im Boden verschwinden, denn er scheint zu wissen, was jetzt kommt.

„Hallo“, schreit seine Mutter mit zur Sorge berechtigter Stimme, dass die in Weiß gekleidete Frau im Anmeldefenster genervt den Blick hebt, bevor sie ihn wieder im Bildschirm versenkt. Die Mutter deutet den kurzen Blickkontakt als Einladung, den Fall ihres Sohnes zu schildern, den nun jeder hier im Warteraum hören kann, mitanhören muss: Schulausflug, „ich hatte ihm Sonnencreme eingepackt“, Brandblasen auf den Schultern, „wie oft muss ich das noch sagen“, nachts kamen die Schmerzen, „und dann braucht er doch wieder seine uncoole Mama“.

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