Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Der Rapper Lil Nas X – er hat zusammen mit dem Künstlerkollektiv „Mschf“ einen Sneaker herausgebracht, dessen Sohle ein paar Tropfen Menschenblut enthalten sollen. Außerdem ist der schwarz-rote Schuh mit einem Pentagramm und der Zahl 666 bestickt. Mich erbost nun nicht diese putzige Okkultposerei an sich, deren Provokationspotenzial sich für mich etwa bei rebellisch gemeinten Schulbankschmierereien im Reli-Unterricht einpegelt – ich bin einfach sauer, dass er die Schlappen nicht, wie absolut naheliegend, „Rucke-di-guh, Blut ist im Schuh“ genannt hat, sondern „Satan Shoes“: Als ob der Teufel gerade Zeit für solche Turnschuh-Sperenzchen hätte! Nike findet den nicht lizensierten Schuh, dessen Form dem Air Max 97 entspricht, auch nur so mittel und will Lil Nas X verklagen.

In den sozialen Netzwerken wurde in den vergangenen Tagen viel über den so genannten Skandalrocker Pete Doherty gespöttelt, weil ein neu aufgetauchtes Foto von ihm nahelegt, dass er etwas mopsig geworden ist. Was halten Sie von seiner Verklopsung?

Ist doch schön, wenn es ihm jetzt augenscheinlich besser geht als seinerzeit als ausgezehrtes Zigarettenbürscherl. Ich habe in einem Interview gelesen, seine neu entdeckte Käseleidenschaft sei schuld an der veränderten Form, vor allem Comté auf Toast verspachtele Doherty gern. Was ich gut verstehe, denn ich selbst liebe eine gute Käseplatte sogar noch ein bisschen mehr als das zweite Album von Dohertys ehemaliger Band The Libertines. Und wer weiß, vielleicht lässt sich Doherty ja von einem anderen großen britischen Musiker inspirieren: Alex James, der Bassist der Band Blur, verkauft schon lange Käse aus eigener Herstellung. Vielleicht führt die geteilte Liebe zur Schmandigkeit die beiden Musikanten ja sogar zu einem neuen Bandprojekt zusammen. Als Arbeitstitel schlage ich „The Briebertines“ vor.

Wie schätzen Sie als große Tierfreundin und speziell Hunde-Enthusiastin die neuen Vorwürfe gegen Major, den Schäferhund von Joe Biden ein? Der First Dog soll schon wieder einen Angestellten im Weißen Haus gebissen haben.

Das bekümmert mich natürlich sehr, und zwar umso mehr, weil Major der erste Tierschutzhund im Präsidentenheim ist – er könnte also ein sehr guter Botschafter dafür sein, Hunde nicht beim Züchter zu kaufen, sondern aus einem Tierheim zu adoptieren. Gemäß des amerikanischen Credos In Dog we trust glaube ich aber erst einmal an ein Missverständnis.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Sie hält sich wie immer bedeckt, aber gerüchteweise arbeitet sie an einem Suhrkamp-Band zum Thema „Flugmotive als Bumsmetaphern im deutschen Popschlager. Eine Annäherung.“

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung beobachtet sie die wundersame Welt der Promis.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo.