Berlin - Noch vor fünf Jahren wies der japanische Regie-Verband neben 550 männlichen Kollegen lediglich 20 Frauen aus - was etwa 3,5 Prozent entspricht. Inzwischen hat sich die Situation etwas gebessert. Fest steht, dass Japans Filmindustrie extrem patriarchalisch ist und war. Ein Blick in die 50er Jahre zeigt, dass damals infolge des Nachkriegs-Aufbruchs zumindest zwei Autorinnen der Einstieg in die Männer-Domäne gelang. Yoko Mizuki (1910–2003) und Sumie Tanaka (1908–2000) verfassten jeweils zwischen 30 bis 40 Drehbücher, die meisten davon für Mikio Naruse (1905–1969). Naruse gilt neben Yasujiro Ozu, Kenji Mizoguchi und Akira Kurosawa als vierter (und hierzulande am wenigsten bekannter) Meister des modernen japanischen Kinos. Acht Beispiele seiner Zusammenarbeit mit Mizuki und Tanaka sind jetzt im Arsenal zu entdecken.

Das 1955 realisierte Drama „Ukigomo“ (Wandernde Wolken) basiert auf einem Roman der in Japan populären Schriftstellerin Fumiko Hayashi (1903-1951), deren autobiografischen Stoffe oft von strauchelnden Frauen erzählen. Filmhistorisch spannend ist die Adaption, weil es sich quasi um einen japanischen Trümmerfilm aus weiblicher Perspektive handelt. Ganz anders als in den deutschen Klassikern (wie „Die Mörder sind unter uns“) erleben wir hier keinen entlassenen Kriegsgefangenen, der zurück ins Leben findet. Yukiko, einstige Zivilangestellte der japanischen Besatzungsmacht in Vietnam, kommt als „Displaced person“ im zerstörten Tokio an. Alle ihre Hoffnungen richten sich auf ihren Geliebten, mit dem sie in Indochina leidenschaftliche Tage verlebt hatte. Und alle Hoffnungen werden bitter enttäuscht. Gegen alle Vernunft hält sie an ihrer Vision fest - und geht konsequent unter.

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