Berlin - Frau Rützel, wer hat Sie vergangene Woche wütend gemacht?   

Heike Makatsch, Jan-Josef Liefers, Meret Becker und das restliche selbstberauschte Schauspieltrüppchen, das sich unter #allesdichtmachen mit schrecklich unsachgemäß ausgeführter Satire und peinlicher „Ich bin Schauspieler“-Schauspielerei über Solidarität und Vorsicht lustig macht. Der Schriftsteller Saša Stanišic fasste es auf Twitter perfekt zusammen: „Hohn wohnt im lichtdurchfluteten Altbau.“

Abgesehen von diesen Ausfällen wurde das deutsche Promiversum auch von einer zweiten schlimmen Nachricht erschüttert: Willi Herren ist überraschend gestorben.

Und mich hat sein Tod mehr angefasst, als ich gedacht hätte. Zum einen, weil ich ihm erst vor einer Woche an genau dieser Stelle noch viel Glück mit seinem neuen Reibekuchen-Imbiss gewünscht hatte. Und zum anderen, weil mich seine oft laute und mitunter auch grobschlächtige Trash-TV-Persona zwar oft aufregte, ich ihn aber trotzdem mochte: Weil er das Business und seine Mechanismen kannte, aber oft dann eben doch nicht aus seiner krachig-kölschen Haut konnte. Das war, bei der weit verbreiteten Abgezocktheit professioneller Trashformat-Hoppler, gleichzeitig anstrengend und wohltuend.

Aber irgendetwas Ulkiges passierte vergangene Woche hoffentlich auch?

Ich musste herzlich lachen, als Joko Winterscheidt die 15 Sendeminuten, die er sich mit Klaas Heufer-Umlauf gegen Pro Sieben erspielt hatte, für eine knalltütige Albernheit verplemperte. Oft haben die beiden diese Freestyle-Viertelstunde ja schon für wichtige politische Statements genutzt, und ich finde, es bildet unser mal tiefernstes, dann aber auch wieder gnadenlos närrisches Leben sehr schön ab, wenn es zwischendurch auch was zu lachen gibt. Joko setzte Klaas ein gar nicht mal so schönes Denkmal, und zwar eine zwei Meter hohe Kupferstatue auf dem Platz vor dem Berliner Hauptbahnhof. Man krümmte sich selbst beim Zuschauen shrimpmäßig mit, so unangenehm war Klaas der kleine Festakt, mit dem er in der Livesendung überrascht wurde. Besonders gut gefällt mir, dass am Kupferklaas ein Flaschenöffner auf Hüfthöhe angebracht ist, das wäre generell ein gutes Feature, das viele Personen aufwerten würde.

Neben dem Lachen rettet uns mitunter auch die Liebe. Die US-Schauspielerin Vanessa Hudgens hatte gerade ja einen überraschenden Tipp, wo man auch in Pandemiezeiten einen Knutschgesellen auftun kann.

Ja, angeblich hat sie ihren Freund, den Baseballspieler Cole Tucker, online kennenlernt, und zwar in einer Zoom-Meditationsgruppe. Das klingt für mich erst einmal schwerst nach dem Plot einer zeitgenössischen romantischen Komödie – und auch ein bisschen unglaubwürdig, denn ich selbst schlummere bei solchen Anlässen verlässlich weg, bevor ich irgendwelche amourösen Claims abstecken könnte.

Andererseits scheint in diesen Zeiten doch wirklich alles möglich – angeblich soll sich jetzt ja sogar die crazy Wildcat-Lady Carole Baskin dafür ausgesprochen haben, dass ihr Erzfeind, der „Tiger King“-Kauz Joe Exotic, frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden soll.

Und das, obwohl er dort einsitzt, weil er augenscheinlich einen Killer angeheuert hatte, der sie umbringen sollte! Allerdings knüpft Baskin ihre Fürsprache an eine Bedingung: Exotic soll dafür den Big Cat Public Safety Act unterstützen, ein im Dezember verabschiedetes Gesetz, das den privaten Besitz von Raubkatzen in den USA verbietet. Die Annäherung der beiden finde ich trotzdem erstaunlich. Was kommt als Nächstes, eine gemeinsame Camp-David-Gehrock-Kollektion von Dieter Bohlen und Thomas Gottschalk?

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Wie immer weiß man das nicht genau, aber gerüchtehalber hat sie doch ein bisschen daran zu knapsen, dass gerade ihr Dauercharts-Rekord gebrochen wurde. Ihr Best-of-Album hielt sich 357 Wochen in der Hitparade, jetzt wurde sie von der Kinderturnplatte „Die 30 besten Spiel- und Bewegungslieder“ entthront. Dem Vernehmen nach arbeitet sie derzeit an einem Album, auf dem sie High-Energy-Aerobic mit Volksmusik mischt: „Atemlos in der Tracht“. Die Fragen stellte Christian Seidl.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über  Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.