Berlin - Wie die Verweigerung einer lang ersehnten Begnadigung merkelten die Lockdown-Nachrichten diese Woche durch die covide Tristesse der Hauptstadt. Es bleibt bis auf Weiteres dabei: Keine Chance auf auswärtige Geselligkeit, da hilft kein Lamentieren. 

Nun, dann müssen jetzt eben schwerere Geschütze aufgefahren werden, in liquider Form versteht sich. Der „French 47“ aus dem Borchardt ist eine Reminiszenz an den berühmten „French 75“ und dieser verspricht ob seiner Namensgeschichte eine gewisse Durchschlagskraft. Der Champagner-Cocktail, der in den goldenen Zwanzigern (also den tollen, den vor 100 Jahren) populär wurde, soll nämlich nach einem französischen 75-Millimeter-Artilleriegeschütz benannt worden sein, das im ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. Rumms! 

„Der ‚French 75‘ ist bis heute ein Klassiker auf Cocktailkarten“, sagt Ulf Klotz. Der gebürtige Thüringer kam in den frühen Neunzigern nach Berlin, seit 1996 arbeitet er im Borchardt. Seiner Version des legendären Drinks verpasste er kurzerhand die 47, in Anlehnung an die Borchardt-Hausnummer in der Französischen Straße in Mitte.

„Bergamotte, die Grundlage des Drinks, habe ich beibehalten“, erklärt er die Komposition. Die Frucht spiele eine große Rolle, weil sie neben der Zitrusfrische auch die typische Bitternote einbringe. „Bergamotten werden in Italien angebaut, 90 Prozent der Ernte dort gehen in die Parfümindustrie. Den Rest kaufen wir“, scherzt Klotz. Zweimal im Jahr wird daraus im Borchardt frischer Bergamottensirup hergestellt. Gerade hat Klotz wieder neuen gemacht, denn man muss ja gerüstet sein, wenn es dann doch mal weitergeht. Darauf freut sich seine Mannschaft natürlich. In der Zwischenzeit lassen wird uns weiter die Schnitzel aus dem Borchardt liefern, und dazu gibt's selbstgemixten „French 47“. À votre santé!

French 47

  • 3 cl Gin Bruderkuss
  • 1 cl Limettensaft
  • 1 cl Bergamottensirup 
  • 1,5 cl  Läuterzucker (flüssiger Rohrzucker)
  • 10 cl Winzer Rieslingsekt Hummel/Kurpfalz
  • Bio-Orange und Lorberzweig
  • Gin, Limettensaft, Bergamottensirup und Läuterzucker auf Eis im Shaker schütteln und dann in eine vorgekühlte Sektschale gießen. Glas mit Winzersekt auffüllen. Zeste von der Orange ablösen und dazugeben. Zum Schluss mit frischem Lorbeerzweig garnieren. Übrigens: Bergamittensirup gibt es auch fertig im Getränkehandel.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo.