Berlin - Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Kubilay Özdemir, der pöbelnde Problemspucker aus dem letztjährigen „Sommerhaus der Stars“. Er postete in seine Instagramstory, dass er nach einem Brotmesserangriff seiner Immer-mal-wieder-Freundin, dem TrashTV-Madamchen Georgina Fleur, „seit neun Tagen im Sterben“ liege und „ggf. nicht überleben“ werde. Nun ist ein solcher Umstand normalerweise eher besorgniserregend als zornentfachend, aber Özdemirs Glaubwürdigkeit wurde empfindlich durch den Umstand gedämpft, dass er auf dem begleitenden Foto in Jeans auf einer Untersuchungsliege lag und augenscheinlich ein ganz normales EKG bekam – und durch das nächste Posting, in dem er schrieb, Fleur habe ihn „viele Male erstochen“. Auch sein nächstes Posting, in dem er einem Kumpel schrieb, sie müssten bald mal wieder zusammen feiern gehen, stimmt mich relativ optimistisch: Kubilay wird leben.

Berliner Verlag
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 5./6. Juni 2021 im Blatt: 
Ein Porträt über Sven Marquardt: Wie der Künstler das Berghain verließ und sich im Lockdown als Fotograf neu entdeckte

Wahlen in Sachsen-Anhalt: Ein Besuch in der AfD-Hochburg Bitterfeld

Uns geht das Wasser aus! Wie Berlin und Brandenburg mit der drohenden Dürre umgeht

Die großen Food-Seiten: Eines der besten süddeutschen Restaurants in Kreuzberg. Und: Eine Portion Hass gegen den deutschen Spargel

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Gestern veröffentlichten die No Angels ein neues Album – 20 Jahre nach ihrem großen Hit „Daylight in Your Eyes“. Wie euphorisch stimmt Sie dieses Comeback?

Leider nur so mittel. Dabei habe ich mir all die Jahre durchaus einen soft spot für Deutschlands größte Girlband bewahrt, vor allem mit der damit verbundenen popkulturellen Folklore – zum Beispiel diese mickymausigen Knödelhaarhörnchen, die Lucy immer trug, und Vanessas Sprungschanzen-Ponyschwingen in jenem Pilotinnenmusikvideo. Ich habe viel aus den Nullerjahren vergessen, aber ich habe immer noch auf Abruf sofort die Szene aus „Popstars“ vor Augen, als Sandy in dem Jeansgeschäft, in dem sie damals arbeitete, erfuhr, dass sie es in die Band geschafft hatte.

Und wie gefällt Ihnen die neue Platte?

Leider enthält das Album nur vier neue Lieder, der Rest sind Ummodeleien des alten Hitmaterials, die für mich eher die nostalgische Rührung beschädigen. Meine Lieblingsstelle im Engel-Werk bleibt das bongomäßige Perkussionselement am Anfang von „Daylight in your Eyes“, vielleicht auch deshalb, weil ich dabei immer ein bisschen an die ersten Klänge des Dschungelcamp-Titelsong denken muss. Trotzdem warte ich jetzt natürlich auf die Rückkehr von Nu Pagadi oder, noch besser: Den Preluders.

Vergangene Woche gab es noch ein zweites, ähnlich spektakuläres Comeback: Bettina und Christian Wulff sind wieder zusammen.

Ich hatte beide tatsächlich schon vergessen, deswegen ist meine Rührung auch hier überschaubar. PR-Beraterin-Bettina soll als Statement zur wiedererblühten Liebe ja den abgeschmacktesten Runterleiersatz aufgesagt haben, der einem nach zwei konzentrierten Sekunden einfallen kann: „Aller guten Dinge sind drei“. Was sachlich nicht ganz richtig ist und auf jeden Fall schon mal nicht für Teenage-Mutant-Ninja-Turtles-Spielfilme und Corona-Wellen gilt. Ich wünsche den beiden natürlich trotzdem alles Gute. Und freue mich, dass ich anlässlich ihres Liebescomebacks einen alten Lieblingsgag von mir recyceln kann: Als der damalige Bundespräsident Wulff 2012 eine ziemlich skurrile Nachricht auf den Anrufbeantworter des damaligen Bild-Chefs Kai Diekmann sprach, begann er sie mit dem Satz „Ich bin auf dem Weg zum Emir“ – und ich fand es damals etwa zwei Wochen lang sehr lustig, sämtliche gerissene Deadlines oder andere Terminversäumnisse mit dieser wirklich exzellenten Entschuldigung zu begründen.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Wie immer ist nichts wirklich verbürgt, aber gerüchteweise hat sie komplett das Wettfieber gepackt: Die Schätzspiele um den Namen der baldigst erwarteten Tochter von Prinz Harry und Herzogin Meghan gehen gerade in die heiße Phase. Noch liegt bei den britischen Buchmachern „Diana“ mit einer Quote von 4:1 vorn. „Philippa“, also eine zurechtgegenderte Ehrung an den kürzlich verstorbenen Prinz Philipp, holt allerdings langsam auf. Interessant finde ich vor allem die Namensideen am Ende der Tabelle: „Oprah“ (Quote 50:1) und „Camilla“ (66:1). Wer wagemutig ist, setzt 100 Euro auf „Melania“ – und gewinnt im Fall der Fälle dafür 20000 Euro. „Helene“ ist nicht unter den Vorschlägen, das finde ich frech.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über  Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.