Berlin - „Ich glaube, du bist in einer Situationship“, sagte mein Freund A., als wir nebeneinander auf dem Fußboden meiner Wohnung lagen und ich versuchte zu erklären, warum ich nicht aufhören konnte zu weinen. Seit einiger Zeit war ich verliebt in jemanden, und es tat furchtbar weh, ohne dass ich genau wusste, warum. Wir verbrachten regelmäßig Zeit miteinander, die immer sehr intensiv und schön war. Ich war selten so sanft im Arm gehalten worden. Er lernte meine Freunde kennen und erzählte mir morgens Träume und nachts Geschichten aus der Kindheit. Es gab Zuneigungsbekundungen, vage an der Grenze zu Liebeserklärungen. Es war in vielen Hinsichten so, wie ich es von den Malen kannte, in denen ich in einer „echten“ Liebesbeziehung gewesen war. Doch irgendetwas fehlte, von Anfang an, und es war auch mit der Zeit nicht gewachsen.

Bis heute ist es schwer für mich, zu identifizieren, was genau es war – denn ich hatte in vielen Hinsichten kein Problem. Ich war weder eifersüchtig auf die anderen Frauen, von denen ich ahnte, dass er sie ebenfalls sah, noch war ich auf der Suche nach einem festen Freund. Im Gegenteil, die Vorstellung, dass jemand mehr als zweimal die Woche in meinem Bett lag, war mir unangenehm. Was mir fehlte, konnte ich nur energetisch beschreiben, und es war immer derselbe Begriff, der mir da in den Kopf kam: Nähe.

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